Goldenes Herbstlaub in Bürstadt
Ihrem Namen alle Ehre machte die 17. Herbstlaubdistanz am 19. September in Bürstadt. Michael Hofmann – auch “der mit dem Strohhut” genannt – und seine Frau hatten goldenes Herbstwetter bestellt und von etwas Dunst, der zumindest zeitweise die ärgsten Sonnenstrahlen von den bereits mit Winterfell ausgerüsteten Pferden abhielt, war Petrus ihnen auch äußerst wohl gesinnt.
Wie gewohnt empfing der Chef persönlich die zahlreichen Teilnehmer, die zu großen Teilen aus der näheren Umgebung stammten und assistierte mit Rat und Tat beim Paddockbau, der aufgrund der Platzverhältnisse immer etwas Disziplin was die Größe der Paddocks anbelangt erfordert.
Reibungslos und ohne Wartezeiten verlief die Voruntersuchung durch Herrn Dr. Soller, der am nächsten Tag von seiner Kollegin Frau Dr. Zuck unterstützt wurde.
Bewirtet wurde in diesem Jahr sehr viel “wegefreundlicher” als in den Vorjahren von den Taubenzüchtern – es warteten allerdings keine gebratenen Täubchen sondern gehaltvolle Snacks mít reichlich Pommes zu moderaten Preisen auf die Reiter. Dass Bier günstiger zu haben war als Softdrinks, verwunderte manch einen – mir als bayerischer Reiterin fiel das allerdings weniger auf. Ein im Startgeld inbegriffenes reichliches Frühstück – das für Nichtreiter zu fairen Konditionen ebenfalls erhältlich war – und leckere Kuchen rundeten am Samstag die kulinarische Versorgung ab.
Eine sehr ausführliche Vorbesprechung und gutes Kartenmaterial bereitete die Reiter auf den markierten Ritt vor. Auf Michaels Diaschau, bei der markante Streckenpunkte und Wegschwierigkeiten gezeigt werden, mussten wir in diesem Jahr aufgrund technischer Probleme leider verzichten.
Am folgenden Morgen machten sich zu christlicher Zeit – selbst die Reiter, die die lange Strecke in Angriff nahmen, mussten erst um 08.00 Uhr am Start sein – über 50 Reiter auf die vier verschiedenen Strecken. Angeboten waren ein EFR von 32 km, ein KDR von 41 km, ein MDR von 61 km und ein LDR von 81 km. Dabei weist der Ritt einige Besonderheiten auf: Es gibt auch auf der mittleren und langen Strecke keinen Massenstart sondern gestaffelte Gruppenstarts, die Pausen sind eher knapp bemessen und die Strecke ist auch beim MDR und LDR nur einmal zu reiten, d.h. Pferde (und Reiter), die ungerne zwei oder mehrmals die gleiche Strecke gehen, sind hier gut aufgehoben. Dafür gibt es kein zentrales Gate sondern einen sehr gut anfahrbaren Hauptcheck im Reitverein von Lorsch. Die Versorgung durch das Helferteam ist aber so organisiert, dass selbst der LDR ohne Tross durchführbar ist.
Die Strecke ist durchwegs eben und lädt zu zügigem Reiten ein. Sie führt zunächst entlang der Bahngleise – zugfest sollten die Pferde also in jedem Falle sein – und durch fruchtbare Anbauflächen hinein in einen mit herrlich sandigen Wegen aufwartenden Wald hinein. Wer 61 km oder 81 km reiten wollte, hatte vor dem ersten Check mit 15 Minuten Pause noch einen endlosen Wiesenweg entlang eines Dammes zu bewältigen, der – genauso endlos – auch wieder zurück zu reiten war. Vor dem Hauptstop bei km 28 (EFR/KDR) bzw. km 45 (MDR/LDR) ging es noch einmal kilometerlang durch den bunten Herbstwald bis zur Reitanlage in Lorsch, wo 30 Minuten Pause eine kurze Erholung ermöglichten. Dann ging es halbwegs erholt wieder hinein in den Wald bis zu einem romantischen See, wo sich die Strecke noch einmal teilte. Die LDR-Reiter hatten nun einen besonders schönen Abschnitt zu absolvieren, der auf einer als Heide bezeichneten Waldschneise mit (wie mancher später feststellen musste) fast zu weichem sandigem Boden und herrlichem und ebenso gnadenlos brutzelnden Sonnenschein gipfelte. Die Markierungen, die bislang sehr zuverlässig den Weg gewiesen hatten, wurden auf diesem letzten Abschnitt etwas sparsamer, so dass eine Reiterin (ich war´s dieses Mal nicht!) kurzzeitig verschollen schien. Zurück im tiefen Wald folgte eine letzte Pulskontrolle, an der die äußerst engagierten Helfer so freundlich waren, dass mancher den Eindruck gewann, sie hätten Reiter und Pferd notfalls auch geschultert und ins Ziel getragen. Bald waren dann wieder die vom Start bekannten Meter entlang der ICE-Strecke und damit auch schon fast das Ziel erreicht. Ein letzter Trab auf dem für ein Finish eher ungeeigneten Zieleinlauf und es war geschafft. Angesichts des Geläufs und der ebenen Strecke ließ man es schon mal gerne laufen – trotzdem war Vorsicht angesagt: Das Geläuf in Bürstadt ist verlockend aber tückisch: Luftwurzeln und teils tiefer sandiger Boden verlangen trotzdem vernünftiges Reiten- gerade mit Pferden, die sonst eher harte Böden gewöhnt sind. So forderte die vermeintlich einfache Strecke beim LDR ihren Tribut: von 11 Pferden fielen 3 aus der Wertung.
Fazit: Ein immer wieder gut organisierter und bis auf leichte Defizite im letzten Abschnitt des LDR auch gut markierter Ritt, dessen Geläuf zu schnellem Reiten einlädt. Gerade wer gerne im Wald reitet, kommt hier auf seine Kosten – sowohl breite Alleen als auch verwunschene Waldpfade sind geboten. Wer gerne klettert ist hier fehl am Platze: die Brücke über die Autobahn ist die höchste Erhebung des Rittes. Barhufreiten ist mit einem guten Barhufpferd bis MDR gut, beim LDR aufgrund des doch nicht zu vernachlässigendem Abrieb durch den Sand bedingt möglich. Trossloses Reiten ist bis LDR machbar.
Julia Wetzler