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Birstein Distanz














Am 11.07. luden die „Distanzreiter Birstein“ zum 14. Mal zu ihrer „Birstein Distanz“ ein.

Nachdem ich mich im vergangenen Jahr schon als Trosser über die perfekte Organisation gefreut hatte – hervorragend lesbare Farbkopien als Trosskarten, in denen mögliche Trosspunkte schon eingetragen waren – war für mich klar, dass ich 2009 unbedingt selber reiten möchte.

Bei unserer Ankunft wurden wir gleich positiv überrascht. So, wie ich eingewiesen worden war stand mir für ein einziges Pferd ein Paddockplatz auf deutlich mehr als der Länge meines kompletten Gespanns zu Verfügung. Soviel Zaunmaterial hatte ich gar nicht dabei. Trotzdem reichte die Wiese für etwas mehr als 60 Starter und die Veranstalter hatten sogar Heu für die Pferde gestellt.
Der Austragungsort auf dem Vereinsgelände des Sportvereins Hettersroth eignet sich hervorragend für eine solche Veranstaltung. Im Vereinshaus kann man nicht nur warm und trocken frühstücken (zu moderaten Preisen und ab 4:30 Uhr, was bei einem Start ab 6:00 Uhr keinen Stress aufkommen lässt) sondern bietet auch den Komfort nach dem Ritt warm duschen zu können.

Auf dem alten Rasenplatz des Vereinsgeländes war das Vetgate mit mehreren Vortrabstrecken aufgebaut. So konnte auf ebener Wiese vorgetrabt werden und auch für eine Siegerehrung mit Pferd ist hier genug Platz, doch dazu später mehr.
Der Parkplatz vor dem Vetgate bot ausreichend Platz zum crewen und außerdem reichlich Wasser für alle aus einem Hydranten, sodass auch die trosslosen Reiter (die durchaus auch auf der 100km Strecke vertreten waren) ihre Pferde gut versorgt beim Tierarzt vorstellen konnten.

Angeboten wurden Streckenlängen vom EFR (39km) über einen MDR (60km) bis zu zwei Langstrecken mit 80 bzw 100km Länge.
Wie so oft hatten die kürzeren Strecken den größten Zulauf. So starteten auf den 39km 14 Reiter und auf die 60km Strecke begaben sich ganze 27 Reiter, während sich nur 8 Reiter auf 80km wagten. Allerdings kam die 100km Distanz auf immerhin 12 Starter.
Aufgeteilt waren die Strecken im wesentlichen auf zwei Runden von 30 bzw. 20 km Länge. Lediglich für den 39km Ritt gab es eine weitere Runde über 9km die einer Abkürzung der 20km Runde entsprach.

Ab sechs Uhr morgens ging es zunächst für die 100km Reiter und in Abständen dann für die kürzeren Distanzen auf die Strecke. Die sehr guten Farbkopien der Streckenkarte waren fast überflüssig, so gut war die Strecke (mit farbigen Pfosten und buntem Flatterband) markiert. Fast schon alltäglich auf Distanzritten nur, dass, als die später gestarteten 60km-Reiter das zweite Mal auf der 30km Runde waren, jemand Markierungspfosten entfernt hatte.
Obwohl es in den Tagen vor dem Ritt immer wieder geregnet hatte, war die Strecke sehr gut zu bereiten. Die überwiegend vorherrschenden Wiesenwege boten guten Grip und nur die vereinzelten Schotterwege verhindern wohl, dass der Ritt insgesamt als „barhufertauglich“ eingestuft wird. Für uns als Hochtaunusgewöhnte war das Höhenprofil der Strecke angenehm. Lange Anstiege oder steile Abstiege, die zum Schrittreiten gezwungen hätten fand man in der durchaus hügeligen Strecke so gut wie gar nicht. Hingegen gab es immer wieder längere flache Abschnitte, die zu einem lockeren Galopp einluden. Das Höhenprofil der einzelnen Runden ist auf der Homepage der Veranstalter www.distanzreiter-bistein.de einzusehen. Die zahlreichen Straßenüberquerungen waren allesamt unproblematisch, da an wenig bis kaum befahrenen Strecken, gaben jedoch viele Gelegenheiten zum Trossen.
Insgesamt eine sehr flüssig zu reitende Strecke, die hauptsächlich über freies Gelände und nur hin und wieder mal an einem Waldrand entlang oder gar durch einen Wald hindurchführte. Bei hochsommerlichem Wetter hätte man sich sicher dick eincremen müssen.
Auf die wenigen Hindernisse oder Besonderheiten auf der Strecke war im Zuge der ausführlichen Vorbesprechung bereits hingewiesen worden. Trotzdem schafften es die erwähnte Kuhherde auf der ersten Runde, bereits mit dem Mittelfeld der 100km-Reiter auszubrechen und brachten das ein oder andere Pferd kurzfristig auf Trab oder wohl treffender ausgedrückt in gestreckten Galopp.

Der Zieleinlauf, der an den oberen Rand der langen Paddockwiese gelegt wurde bot gutes Geläuf für ein Finish, was jedoch nicht genutzt wurde.
So kam die Siegerin der 100km Strecke Kerstin Deichmüller mit Bokal nach sieben Stunden und fünf Minuten (T 4,25) mit einer guten halben Stunde Vorsprung vor der Zweitplatzierten Vera Mikat auf Aventuro ins Ziel. Die Dritt- und Viertplatzierten wurden trotz Hand-in-Hand-Einreitens wie angekündigt auseinanderdividiert, sodass Andrea Nacke mit Markatta Attila knapp vor Nicole Gümpel und Asjah Aliah noch auf einen Pokalplatz ritt.

Die 80km Distanz entschied der im Vorfeld auch als Favorit gehandelte Bernhard Dornsiepen mit dem schon 18 jährigen Nico in einer Reitzeit von 5:33 (T 4,16) für sich. Auf Platz zwei folgte im Abstand von 13 Minuten Kati Trzinski mit Masoud ibn Maisha und weitere 6 Minuten später erritten sich Marina Nussbaum und Mateja Rang drei.

Auf der 60km Distanz hatte Ricky Bundels mit Kublai Khan nach 3h 43min. (T 3,72 ) die Nase vorn. Nur zwei Minuten später kamen mehr oder weniger zeitgleich Jürgen Zell und Doreen Eimer mit einem Abstand von nur zwei Sekunden ins Ziel. Auch die nachfolgenden vier Reiter kamen binnen vier weiterer Minuten ins Ziel.

Auf dem Einführungsritt erreichten insgesamt 4 Starter LK I , 7 Starter LK II und auch der einzige Reiter in LK III verlangte allen Respekt ab, war er doch mit 80 Jahren mit Abstand der Älteste Teilnehmer.

Zusätzlich wurde auf den 60km eine Jugendwertung für Reiter bis 21 Jahre ausgeschrieben, die Doreen Eimer auf Arax in einer Reitzeit von 3:45 für sich entschied. Auf den Rängen zwei bis sechs folgten in dieser Reihenfolge Simone Karnelka (Pur), Mareike Krug (Cheyenne), Victoria Dersch (Sade), Diana Döring (Habibi) und Jelena Schaffert (Sawloma). Wobei letzteres Pferd-Reiterpaar gleichzeitig die jüngste Teilnehmerin und das älteste Pferd stellte. Jugendlichen bis 18 Jahre wurde sogar das Startgeld erlassen.

Die Siegerehrung wurde anders als ausgeschrieben auch für die langen Strecken am Ritttag durchgeführt. Dies wurde auch in der Vorbesprechung angekündigt, allerdings war wohl nicht jeder anwesend, was dazu führte, dass leider die Sieger der 100km Strecke nicht vor Ort waren.

Nach einer kurzen Ansprache des ersten Vorsitzenden Lars Simpelkamp und einigen Worten der Cheftierärztin Katja Carstanjen erfolgte die Siegerehrung gegen 18.30Uhr auf dem alten Sportplatz vor einem schier endlosen Berg von Ehrenpreisen und schönen Pokalen. So wurde denn auch jeder, vom EFR-Teilnehmer bis zum Langstreckensieger mit mindestens einer Kleinigkeit, z.T. aber auch kaum tragbaren Bergen an Ehrenpreisen bedacht, sodass hier häufig die Trosser nochmal gefragt waren, für die es am Ende sogar auch noch jeweils ein Dankeschön gab.

Eine weitere Besonderheit: der VZAP hatte insgesamt 300€ gestiftet, die unter den besten arabischen Pferden auf den langen Strecken aufgeteilt wurden.

Wer es gewohnt ist, den Rittabend nach einem Langstreckenritt im kleinen Kreise am Zelt oder Anhänger ausklingen zu lassen, der bekommt in Birstein anderes geboten. Am frühen Abend begann eine Live-Band mit ihrem musikalischen Programm, so dass bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wurde und auch einige Reiter der kürzeren Strecken Grund fanden noch bis zum nächsten Tag zu bleiben.

Am Sonntag erfolgte neben der Transportfreigabe noch die Vergabe des „best condition“ auf den beiden langen Strecken, der auf der 80km Distanz an das siegreiche deutsche Reitpony Nico von Bernhard Dornsiepen ging und auf der 100km Strecke dem englischen Vollblut Aventuro von Vera Mikat zugesprochen wurde. Auch hierfür gab es neben den Pokalen noch einmal Ehrenpreise.

Insgesamt war die Birsteindistanz wieder eine gelungene Veranstaltung, deren hervorragender Ruf sicher auch im nächsten Jahr viele Teilnehmer anziehen wird. Eventuell allerdings mit der Neuerung, dass der Termin im Mai und nicht wie in den letzten Jahren im Juli oder Juni sein wird.

Vera Mikat