An der Ströhener Aue - Bekanntschaft mit Elefanten
 Fotos: Lutz Petersen
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Nein, dies ist kein Bericht über einen Distanzritt in Nambia. Bis dort brauchten wir gar nicht zu reisen, um mit unseren Pferden in das Vergnügen der Bekanntschaft von Elefanten, Lamas, Flamingos und anderen exotischen Tieren zu kommen. Am 21. Juni 2009 fand im malerischen Wagenfeld-Ströhen, Kreis Diepholz im Nord-Westen Deutschlands, die 2. Distanz „An der Ströhener Aue“ im Tierpark und Gestüt Ismer und zwar im Rahmen des ebenfalls 2. großen VZAP Sommerturniers statt.
Der private Tierpark Ströhen wurde vor gut 50 Jahren von der Familie Ismer gegründet und liegt in einem großen und sehr schönen gepflegten Park-, Wald- und Wiesengelände auf 30 Hektar und beherbergt ca. 600 Säugetiere und Vögel aus fünf Kontinenten.
Zum Tierpark gehört auch das international bekannte Arabergestüt Ismer mit ca. 160 Hektar Fläche und mindestens 200 Arabern. Hierunter ca. 15 im Einsatz stehende Deckhengste und rund 35 Stuten mit Fohlen bei Fuss. Zum Gestüt gehören mehrere Stuten- und Hengststallungen im altnierdersächsischen Fachwerkstil, Reitplätze, ein Springplatz, eine Reitbahn, eine Führanlage und zwei Reithallen.
Täglich findet die große Araberschau „Arabische Vielfalt“ statt und mehrfach täglich auch das Elefantenreiten. Weiter betreibt Dr. Niels Ismer, der jetzt als Nachfolger seiner Eltern und Großeltern Gestüt und Tierpark gemeinsam mit seiner Ehefrau Almuth Ismer leitet, auf dem Anwesen auch eine Tierklinik.
Der Distanzritt fand im Rahmen des 2. großen Sommerturniers „Arabische Vielfalt“ statt, welches sehr gut besucht war und diverse Dressurprüfungen, Springprüfungen, einen Stil-Geländeritt sowie eine Hengstleistungsprüfung und Araberschau bot. Auch ein Sportpferdechampionat stand, dieses Jahr auch erstmals für die Distanzpferde offen, wieder im Programm.
Der Distanzritt war mit einer Auflage für die teilnehmenden Pferd von 12,5 % arabischem Blutanteil belegt. Dies reduzierte das Teilnehmerfeld und so drohte dieser Ritt, wie so viele Distanzritte in diesem Jahr im Norden, bereits auszufallen. Erschwerend hinzu kamen zwei größere Parallelveranstaltungen in der näheren Umgebung an diesem Wochenende. Um so erfreulicher dann dass o.k. der Co-Veranstalterin Christiane Schlag für das kleine Starterfeld, auf dem EFR mit 30km mit 19 Teilnehmern, und auf in diesem Jahr erstmals 60km, mit 3 Teilnehmern.
Auf der dem Tierpark gegenüber liegenden Straßenseite befand sich eine große eingezäunte Wiese mit viel Platz und reichlich Gras für die Pferde sowie Campinggelegenheit für die Reiter. Daneben konnten natürlich auch Boxen im Gestüt, leider für einen sehr hohen vom VZAP festgelegten Preis, gebucht werden sowie auch Betten im Ort Wagenfeld und den Nebengemeinden.
Verpflegung wurde während des gesamten Wochenendes im Rahmen des Turniers geboten sowie auch im Tierparkrestaurant und der dortigen Schinkendiele. Auch Heu konnte gekauft werden.
Nach dem Weckruf der exotischen Tierparkbewohner ging es sodann am Sonntag morgen zahlreiche Kilometer lang am Fluss, der Ströhener Aue, mal am rechten, mal am linken Flussufer und immer wieder abzweigend in kleine Wäldchen oder winzige Ortschaften durchquerend wieder zur Aue zurück. Dementsprechend galt es auch zahlreiche Flussbrücken, überwiegend mit Geländer, kleinere Wehrbrücken auch mal ohne Geländer, zu überqueren. Bis auf wenige Angler und Spaziergänger fanden sich nur zahlreiche Fischreiher als Beobachter ein.
Das Geläuf bestand zu ca. 90 % aus Gras und lud an der Aue oft zum zügigen Durchgaloppieren geradezu ein. Die Aue-Böschung ist ansonsten für Pferde gesperrt. Für die 60km-Reiter war die Strecke zweimal zu absolvieren. Einziger Nachteil des Geläufs, bereits auch im Vorjahr, war die oftmals abschüssige Uferböschung in Hanglage.
Der Wettergott war gnädig mit uns. Blauer Himmel, wenige Regentröpfchen und kaum Bremsen.
Die Markierung war kaum zu toppen – Verreiten fast unmöglich (wobei sich doch im Wäldchen einmal ein Reiter in der entgegengesetzten Richtung befand).
Das gute Geläuf ausnutzend gingen dann auch Ralf Merkert mit Pinos und Enken Ziegs mit Nakidka mit einem großzügigen Zeitvorteil mit T 3,87 nach 60km ins Ziel, gefolgt von mir mit unserer Nachwuchsstute Penelope OX wie geplant in T 4,88.
Auf den 30km waren 13 Teilnehmer in der Wertung und platziert. Alle konnten Leistungsklasse 1 erreichen.
Tierärztlich wurde der Ritt auch in diesem Jahr wieder von Astrid Solonga hervorragend betreut. Ein besonderes Lob auch an die stets hilfsbereiten und freundlichen Helfer.
Die berittene Siegerehrung auf dem Hauptplatz fiel leider fast buchstäblich ins Wasser. Da Distanzreiter bekanntlich bei jedem Wetter Reiten, wurden wir dann auch bei Platzregen und gefühlten 5 Grad durch den VZAP, Dieter v. Kleist, und Dr. Niels Ismer geehrt. Alle Teilnehmer erhielten die begehrten grünen arabischen Schleifen. Dank des Wettereinbruchs fiel dann leider zumindest für die Distanzreiter mangels Motivation und das Sportpferdechampionat ins Wasser.
Insgesamt eine tolle Veranstaltung. Es ist zu hoffen, dass der Ritt, der auch für so wenige Teilnehmer sehr liebevoll organisiert wurde, künftig einen größeren Zuspruch erfährt.
Sabine Eichler