Beluga Arabian Cup
Zum 4. Mal in Folge fand der lange Mehrtagesritt „Beluga Arabian Cup“ statt.
Am Pfingstwochenende trafen sich ca. 30 Reiter um die Strecke von knapp 200 km unter die Hufe zu nehmen.
Die erste Etappe startete in einer nostalgischen Gaststätte aus dem 12. Jh. in Lindenau / Rammingen.
Da ich erst am 2. Tag mitreiten konnte, kann ich nur berichten, dass es wohl wieder die sagenumworbene Schwarzwälder Kirschtorte in der Pause gab, die man sich wohl nicht
Entgehen lassen sollte.
Diese Etappe endete seit diesem Jahr in Breithülen bei Münsingen, weshalb die Reiter bereits 80 km hinter sich hatten, als ich anreiste.
Das Auffinden des Quartiers wurde mir leicht gemacht, da die ersten Reiter gerade zum Ziel ritten. Ich hatte ihnen nur zu folgen.
Das Tagesziel war früher ein Militärgestüt. Die Stallungen aus Backsteinen gruppieren sich um einige Koppel und den Winterausläufen, der größte Teil der Wege besteht aus Kopfsteinpflaster. Früher befanden sich hier Laufställe mit Anbindevorrichtungen an den Trögen. Heute dienen sie überwiegend als Boxenstall wieder der Pferdeunterbringung, bis auf einen ehemaliger Laufstall in dem sich jetzt das Reiterstüble befindet. Hier wurden wir freundlich empfangen und mit vielen Leckereien verköstigt wurden..
Dort angekommen, gestaltete sich das Aufbauen des Paddocks etwas schwieriger. Entweder hatte ich Kopfsteinpflaster oder Geröll unter meinen Paddockstangen. Aber nach einiger Zeit und viel Geduld hatten wir das Paddock sowie auch unser Nachtlager einigermassen sicher aufgebaut.
Nun nur noch schnell zur Voruntersuchung und der gemütliche Teil begann.
Für die kleine Katzenwäsche stand ein WC und ein Waschbecken im ehemaligen Pförtnerhäuschen bereit.
Das Gelände war weiträumig eingezäunt, weshalb die Pferd auch bei Ausbruch relativ sicher waren. Einige brachten ihre Pferde auch in Boxen unter.
Es wurde unter anderem eine Duschmöglichkeit geboten sowie der Kauf von Heu und Pferdefutter ermöglicht.
Das Wetter war etwas windig, aber angenehm warm. Somit konnten wir zufrieden ins Bett steigen.
Ich hatte ja ursprünglich 80 km für diesen Tag geplant, aber war nicht unglücklich, als ich erfuhr, dass es heute wegen des Quartierwechsels im Vergleich zum Vorjahr „nur“ um 60 km ging.
Nach einem weniger ausgiebigen Frühstück erfolgte um 8 Uhr der Massenstart.
Ich versuchte mich ein bisschen in der Mitte aufzuhalten.
Die Strecke ging zuerst entlang der Zufahrtsstrasse .
Ich versuchte an meinen „Vorreitern“ dran zu bleiben, denn es war ja ein Kartenritt. Und das war wieder so ein Problem, aber Anschluss war schnell gefunden. Die Pferde fühlten sich in Gesellschaft wohl und wir Reiter ebenso.
Der erste Kontrollpunkt sollte nach ca. 4km sein. Diesen Kontrollpunkt fanden wir auch auf Anhieb, allerdings fanden wir keinen „Kontrolleur“.
Also ritten wir zielstrebig in Richtung zu unserem ausgemachten Trosspunkt , der nach 10 km sein sollte. Na, zum Glück hatten wir diesen so früh eingeplant. Denn wir kamen leider erst nach 3 Stunden dort an. Uns stand ein Müllberg im Wege. Leider hatten meine Mitreiter und ich den falschen Weg genommen und in meiner irrwitzigen Annahme, war ich mir sicher, dass wir dort, ohne wieder zurück reiten zu müssen, herunter kommen.
Leider war dies nicht der Fall. Dieses Verreiten sollte uns 18 km mehr auf unserem Kilometerstand einbringen und ungeduldige und besorgte Trosser.
Die weitere Strecke stellte sich aber als lösbar heraus. Wir fanden den Weg, wenn auch nicht gleich auf Anhieb. Er führte uns an Bahngleisen entlang, an erfreuten Kuhherden, die am liebsten am Ritt teilgenommen hätten. Und nach den Bahngleisen einen steilen Berg hinauf, da war auch schon die erste Pause.
Nachdem wir die guten Pulswerte unserer Pferde erfuhren, obwohl wir natürlich nun sehr flott unterwegs waren, und unsere Trosser positiv gestimmt waren, ritten wir nach 30 min mutig zu zweit weiter. Das 3. Pferd beendete hier in der Wertung.
Eines nahmen wir uns fest vor: Wir wollten uns nicht mehr verreiten.
Mutig kämpften wir uns von einer Wegbiegung zur anderen, durch ein grünes Tal nach dem anderen. Bergauf und Bergab. Von einem Wald in den anderen.
Der leichte kühle Wind an diesem Tag sorgte für angenehme Ritttemperaturen, weshalb die Pferde nie zu sehr nass wurden
Nach fast 80 km erreichten wir unser Ziel.
Es befand sich, wie schon in den letzten Jahren in Ingerkingen.
Dort wurden wir wieder sehr herzlich empfangen.
Im Stegenhofstüble gab es wieder leckeres Essen und eine familiäre Atmosphäre.
Auch hier hatten wir Zugang zu einer Toilette und Waschbecken, für die kleine Katzenwäsche. Highlight des Rittes war die Duschmöglichkeit in einer nahe gelegenen Festhalle für 1 Euro.
Das Stüberl befindet sich wunderschön gelegen inmitten von grünen Wiesen, auf denen die Pferde wegen des hohen Grases kaum zu finden waren. Ein paar Bäume sollten den Pferden Schatten spenden.
Am Abend war, wie am Vortag um 21 Uhr die Siegerehrung geplant.
Zu meinem und meiner Mitreiterin Erstaunen schafften wir es trotz Verreitens noch auf den 7. Platz.
Am 01. Juni um 8 Uhr hieß es wieder auf in den Kampf mit der Karte. Nebensächlich war heute das Tempo oder die Strecke. Ich wollte mich nur nicht wieder verreiten.
Mutig startete ich mit einer Gruppe, die aus 4 Schweizerinnen sowie Peter Hertel mit Gandalf und Wolfgang Knoch mit seinem Hengst Ovid bestand.
Zwei Schweizerinnen verliessen uns aber schon nach wenigen Metern, somit waren wir nur noch zu fünft.
Ich versuchte an Peter Hertel zu bleiben, wohlwissend, dass dies nicht sein erster Kartenritt war. Zugleich versuchte ich mich im Kartenlesen. Dies sollte sich anschliessend als sehr nützlich heraus stellen.
Es ging durch etliche Ortschaften, über eine Bahnbrücke, an vielen schönen Kirchen vorbei.
Der erste Vetcheck erfolgte nach 15 Km.
Dort wurden wir sehr herzlich und laut begrüßt. Woran dies lag, war mir auf einem Schlag klar.
Eine Flasche Cinzano und eine Flasche Sekt wurden mir entgegen gestreckt.
Ich lehnte dankend ab.
Diese Pause sollte 10 min dauern. Und nun der Schreck. Peter entschloss sich hier, in der Wertung aufzuhören.
So, nun war es passiert. Da die beiden Schweizerinnen aus unserer Gruppe zwischendurch einen anderen Weg nahmen stand ich nun mit Wolfgang alleine da.
Mutig machten wir uns auf den Weg.
Wir ritten stur nach Karte. Auch wenn dort kein Weg mehr war, wo er eigentlich sein sollte.
Wir schlugen uns durch ein Walddickicht und durch Dornen , denn Baumaschinen oder Außerirdische hatten unseren Weg entfernt.
Aber wir ließen uns nicht entmutigen. Wir ritten in gemütlichem Trab immer weiter.
Und ich wurde sogar so sicher im Umgang mit der Karte, dass wir heute dem hässlichen Asphalt entfliehen konnten.
Wir schwebten über abgemähte Wiesen, an wunderschönen Waldrändern entlang, durch eine Furt. Die heutige Etappe war relativ eben, weshalb die Pferde locker durchtraben konnten. Das Wetter war am Vormittag etwas schwül, aber wurde dann erträglicher. Auch heute mussten die Pferde deshalb nicht so sehr schwitzen.
Nach dem letzten Stop hatten wir nur noch wenige Kilometer zu meistern. Die beiden Schweizerinnen schlossen sich uns wieder an.
Auf dem letzten Stück mussten wir um einen kleinen See reiten und danach ging es auf Asphalt steil bergan. Das war der Zeitpunkt, an dem wir entschieden, zu viert ins Ziel zu reiten, zum Wohle unserer Pferde.
Am Berg oben angekommen, wähnten wir das Ziel in erreichbarer Nähe.
Eine kleinere Ansammlung von Bäumen versperrte unsere Aussicht. Also ritten wir hinter diese Baumgruppe. Dort entdeckten wir, dass wir wieder bergab reiten mussten in ein kleines Tal in dem ein paar Häuser standen. Aber weit und breit kein Anhänger zu sehen oder Menschen die uns erwarteten.
Sollten wir nun ein paar hundert Meter vor dem eigentlich ersehnten Ziel, den falschen Ort angesteuert haben?
Doch dann entdeckten wir einen Hänger versteckt hinter einer Hausecke und dann erkannten wir das Schild: Gasthof Hirsch .
Wir waren am Ziel angekommen. Hand in Hand ritten wir auf den 3. Platz
Auch hier hatten wir einen wunderschönen Platz zur Verfügung gestellt bekommen.
Es gab wieder leckeres Essen und reichlich zu trinken.
Glücklich und zufrieden machte ich mich mit meinem sehr geduldigen Tross nach der Siegerehrung auf den Heimweg.
Ich werde diesen Ritt nicht nur wegen der tollen Leistung meines Pferdes in guter Erinnerung behalten, sondern auch wegen der ausserordentlich familiären Atmosphäre an allen drei Tagen.
Alle Helfer waren immer guter Laune und hilfsbereit und immer ansprechbar.
Ina hatte wie gewohnt für alles ein offenes Ohr und war einfach immer überall.
Ein herzliches Dankeschön hiermit an alle freiwilligen Helfer und alle meine Mitreiter.
Micaela Fili-Haecker