Triangel – Federweiß 2008
Schon die Anreise zum Schlösschen war auf den letzten Metern spannend, denn irgendwie hatte das Navi nicht den üblichen, anhängertauglichen Weg gewählt, sondern uns durch ein Dorf mit extrem enger und immer steiler werdender Strasse geführt – Ich dachte nur, dass das Pony im Hänger wohl bald auf der hinteren Stange sitzen müsste und betete, dass uns bitte bitte niemand entgegenkäme, ich war nicht sicher, ob ich es schaffen würde an diesem Hang wieder anzufahren. Aber wir hatten Glück, kein Gegenverkehr und das Auto zog wacker bis oben und dann waren wir auch schon am Schlösschen angekommen.
Nach nettem Empfang und freundlicher Einweisung konnte das Pony seinen Paddock beziehen und wir Menschen bekamen sogar ein Plätzchen unterm Dach, wo wir für die nächsten zwei Tage unser Schlaflager aufschlagen konnten.
Das Wetter verhieß nichts gutes, immer wieder Regen bei Temperaturen nicht weit über dem Gefrierpunkt – da waren Kürbissuppe und Zwiebelkuchen am Abend ein wahrer Segen. Es wurden Feuerkörbe aufgestellt und man nahm gerne etwas Qualm in Kauf, wenn man sich daran doch wärmen konnte. Die Atmosphäre war freundlich familiär, es wurde viel erzählt und wir Neulinge wurden wie selbstverständlich in die Gemeinschaft aufgenommen. Viele der Reiter brachten Selbstgebackenes mit, ich glaube soviel Kuchen habe ich in zwei Tagen noch nie gegessen!
Spätestens bei der Vorbesprechung kam, zumindest bei mir, das Gefühl auf, ich würde mich mit diesem Ritt auf ein Abenteuer einlassen – Ringe am Baum, die gefährliche Felspartien kennzeichnen würden, zwei Birken zwischen denen der Zugang (Einsprung?) in den Bach sei, Wiesen von denen jetzt noch keiner wusste, ob sie frei und uneingezäunt sind oder ob die Weiden noch/ wieder besetzt sein würden, man also einen anderen Weg suchen müsste, Wege durch Hangwälder…
Als sich die 16 Reiter am nächsten Morgen auf der Startwiese versammelten, zeigte sich das Wetter trocken aber mit eisigem Wind, der Leitspruch
„Auf in die Sonne!“ klang doch sehr nach Galgenhumor.
Aber schon nach wenigen Kilometern zeigte sich die Sonne tatsächlich und den ganzen Tag blieb der Himmel blau und wenigen Wölkchen und einer grandiosen Fernsicht über Täler und Wäldern in fast schon kitschig bunten Herbstfarben. Sanft wellige Endloswiesen, die zum muntern Galopp einluden, Rehe, die in ihrem Sonnenbad gestört, vor uns aufsprangen, Greifvögel die über uns majestätisch ihre Runden zogen – ein absoluter Traum!
Für uns Flachländer war die Strecke eine Herausforderung, auch wenn es keine langen Steigungen gab, ging es doch immer irgendwie rauf oder runter teilweise auch mit steilen Auf und Abstiegen (beim nächsten mal werden wir wohl mit Vorderzeug unterwegs sein) wohl dem der ein Pferd hat, das aufpasst, wohin es tritt und das keine Angst vor bewegtem Wasser hat – es ging immer wieder durch Bäche in denen die Vierbeiner dann ihren Durst löschen und ihre Beine kühlen konnten.
Am zweiten Stopp war ein kleines aber feines Frühstücksbuffet aufgebaut, der Platz windgeschützt und sonnig, eine Pause zum richtig Relaxen – Wir gratulierten uns gegenseitig, wie gut es uns doch geht!
Zwei der Isländer hatten kurz darauf Pech, beide hatten sich in die Vordereisen getreten und bis die Hufschmiedearbeiten beendet waren, entschieden sich die Reiter nicht weiter zu gehen. Die beiden anderen Isireiter beendeten den Ritt am dritten Stopp bei 56 Kilometern.
Das letzte Teilstück durch das Hahnenbachtal nahmen noch 9 Reiter in drei Gruppen unter die Hufe. Auf den letzten Kilometern schloss die zweite Gruppe zur Spitze auf – erstaunlicherweise, kamen die Reiter, wie zuvor auch schon bei den Pausen, aus einer ganz anderen Richtung – Nebenwirkung eines Kartenrittes „viele Wege führen nach Rom“.
Parallel zueinander gab es einen kleinen Endspurt, manch einer wunderte sich, wie frisch das eben noch ein wenig müde wirkende Pferd nun wieder war. Am Ende kamen 5 Reiter gemeinsam als Erste ins Ziel am Schlösschen, wo schon der Sekt auf sie wartete. Eine Stunde später waren auch die Letzten im Ziel und nach bestandener Nachuntersuchung wurden die Vierbeiner dick eingedeckt zur Nachruhe geschickt und für die Zweibeiner ein wärmendes Lagerfeuer angezündet. Bei Zwiebelkuchen und Federweißen saß man noch lange bei sternenklarer Nacht zusammen.
Am nächsten Morgen Transportfreigabe und Siegerehrung, der Best Condition ging an Kimbal, der damit 10 Siege und 4 BCs in dieser Saison für sich verbuchen kann – Glückwunsch an Bert Fichtel zu diesem tollen Pferd!
Und dann, ging es langsam wieder auf die Heimreise, die so endete wie die Hinreise begann – mit strömendem Regen.
Danke an Veranstalter, die netten Helfer und Mitreiter für ein wunderschönes Herbstwochenende, an das ich mich sicher noch häufig mit einem Lächeln erinnern werde!
Andrea Welsch mit SoL Nawari