VDD Logo

VDD Banner


Seite Drucken


2. Lindenhof-Distanz und Jugendkadersichtung in Hambach

G. Zeussel mit Titan

Der Lindenhof am Rande von Hambach, etwas nördlich von Schweinfurt gelegen war in diesem Jahr der Austragungsort des ersten bayerischen Distanzrittes der Saison. Über 40, zum Teil bekannte Distanzreiter, traten als Starter mit ihren Pferden an, um die Strecke von 40 bzw. 80 Kilometer zu bewältigen.
Um 7:30 Uhr gingen alle Reiter der 80 Kilometer Distanz im Massenstart auf die Strecke. Die Reiter der 40 Kilometer starteten in kleinen Gruppen ab 9:30 Uhr. Die Strecke führte über zwei Schleifen mit je 20km Länge rund um Hambach, für die Distanz über 80 km mussten diese Schleifen zweimal geritten werden. Über größtenteils befestigte Waldwege führte der Weg die Reiter nach Nord-Osten zum ersten Vet-Check bei Kilometer 10, wo der Puls der Pferde gemessen wurde und die Kontrahenten bei Erreichen des Grenzwertes von 64 Schlägen in der Minute weiter konnten. Die ersten sieben Reiter bildeten die Spitze, welche innerhalb weniger Minuten Abstand mit einem Durchschnittstempo von ca. 17km/h die erste Pause erreichten. So ist es nicht verwunderlich, dass es überwiegend bekannte Größen des Distanzsports waren, die mit ihren Nachwuchspferden dieses Feld anführten: Ines Liskow, EM-Teilnehmerin aus Baden-Württemberg mit ihrem Fast n’Furious lag lange in Führung. Immer nur knapp dahinter, Astrid Götz, Deutsche Meisterin 2006 mit Parsifal S aus dem mittelfränkischen Emskirchen, Stefan Zöller, mehrfacher Deutscher Meister mit Antares aus dem unterfränkischen Erlenbach und Günter Zeußel aus Nürnberg mit Titan 130. Auch der ehemalige Bundestrainer Bernhard Dornsiepen jun. findet wieder mehr Zeit selbst zu reiten und war mit dem Schimmel Duru am Start.

In den Vet-Gates nach 20, 40 und 60 Kilometern hatten die Pferde Pause. Nun kamen allerdings die Tierärzte, Richter und Berater der Distanzsportler zum Einsatz. Denn nicht nur Regeneration, sondern auch weitere metabolische Parameter wie Darmtätigkeit, Kapillarfüllzeit und Überprüfung der Schleimhäute, sowie das Gangwerk werden hier, im wahrsten Sinne des Wortes auf Herz und Nieren überprüft. Die Tierärzte haben die Aufgabe die Pferde genau zu untersuchen, dazu gehört auch das Vorführen des Athleten in Schritt und Trab durch den Reiter oder seinen Helfer. Nur wer sein Pferd ohne Beanstandung präsentiert, darf weiter auf die nächste Runde. Auch nach dem Ritt steht die Platzierung erst endgültig fest, wenn die Tierärzte noch einmal ihr „Okay“ gegeben haben.

Mit etwas über einer Minute Vorsprung konnte sich Verena Glück aus dem nur 30 Kilometer entfernten Frankenwinheim mit Masir den Sieg auf der 80 km-Strecke sichern. Der 9-jährige Vollblutaraberwallach ist erst seit einem Jahr im Distanzsport aktiv. Kurz darauf überquerten Günter Zeußel mit Titan 130 und wenige Sekunden später, Astrid Götz mit Parsifal S die Ziellinie. Ines Liskow auf Fast n’Furious, die lange in Führung lag, wurde Vierte. Sie hatte das Tempo zurückgenommen, nachdem sie 7 km vor dem Ziel ein Eisen verloren hatte. Insgesamt bestritten 14 Reiter/Pferd-Paare die gesamte 80 km-Strecke. Drei Teilnehmer nutzten die Möglichkeit den Ritt bei 60 km in der Wertung zu beenden.
Auf der kürzeren Distanz von 40 Kilometern erreichten 18 Pferde die Wertung, angeführt von Otto Barthelme auf Assra Taymoun. Auch hier war Familie Glück wieder erfolgreich: den zweiten Platz sicherte sich Jessica Glück auf Mussahvi vor Jacqueline Jelitto auf Wadonna.

Vier Tage vor dem Distanzritt konnte die traumhafte Anlage des Lindenhofs bereits durch Distanzreiter genutzt werden, da hier eine verpflichtende Fortbildung zur Sichtung des Jugendkaders statt fand. Hier konnten die jungen Reiterinnen ihren Trainingsstand zeigen, sich fortbilden und somit auch für die Jugendeuropameisterschaft im September im spanischen Oviedo empfehlen. Die derzeit einzige bayerische Amazone im Jugendkader, Hedwig Körfgen aus dem niederbayerischen Obernzell musste aufgrund einer Verletzung ihre Teilnahme kurzfristig absagen. So stand für die acht Pferde und ihre Reiterinnen sowohl Theorie, als auch gemeinsames Training unter der Leitung von Bernhard Dornsiepen jun. auf dem Programm. Der Schwerpunkt lag hier beim Reiten im Team. Die betreuende Tierärztin Claudia Zerlik überprüfte den gesundheitlichen Zustand aller Pferde. Der Beschlag vom Hufschmied wurde unter die Lupe genommen.
Equipe-Chef Roy Thiele zeigte sich begeistert von den Möglichkeiten der Anlage und insbesondere der Offenheit und Freundlichkeit der Pferdefreunde Lindenhof Hambach e.V. den oft ungewohnt bunten Distanzreitern gegenüber. Egal ob Galoppbahn, Vielseitigkeitsstrecke oder Reithalle, alle Trainingsmöglichkeiten durften genutzt werden. Ein Stallzelt wurde aufgebaut, um die Pferde für die Zeit des Lehrgangs unterzubringen, sogar das Futter wurde vom Veranstalter zur Verfügung gestellt. Da Sponsoring der Reiter im Distanzsport selten ist, hängt die finanzielle Belastung meist am Einzelnen und bei den Jugendlichen dann insbesondere auch an den Möglichkeiten der Eltern. Solches Entgegenkommen wie auch eine Unterkunft zum fairen Preis auf der nur wenige 100 Meter entfernten Seufert Ranch, erleichert die Ausübung des Sports nicht nur den jüngeren Teilnehmern.
Im Anschluss an den Lehrgang bestritten zwei Mitglieder des Jugendkaders ebenfalls den langen Distanzritt über 80 Kilometer. Da viele der Pferde erst vor zwei Wochen beim internationalen CEI in Fischerhude gestartet waren, wurde auf eine verpflichtende Teilnahme des Kaders an der 80 km-Distanz verzichtet. Stefanie Schrader mit Image und Elisabeth Loresch mit Stein Lina vertraten die Jugend erfolgreich und erreichten den 11. und 7. Platz, sehr zur Zufriedenheit von Equipe-Chef Roy Thiele und Tierärztin Claudia Zerlik.
Diese zog als Chef-Tierärztin des Ritts ebenfalls eine positive Bilanz. Ein Großteil der Starter meisterte die durch Geländestruktur und Bodenbeschaffenheit anspruchsvolle Strecke und passten das Tempo der Jahreszeit, zu der viele Pferde noch mit dem Fellwechsel zu kämpfen haben, an. Auch von den Reitern waren nur positive Stimmen zu vernehmen, denn die Organisation klappte reibungslos, die Paddockwiese bot genug Platz für alles Pferde und die landschaftlich reizvolle Strecke war gut markiert. Die Freundlichkeit der Helfer fiel besonders auf, so dass viele die Veranstaltung im nächsten Jahr wieder besuchen möchten.

Stefanie Prasch