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Babolna (Ungarn), 3. Mai 2008, 160 km, 120 km, 80 km 06.10.2008


Belinda Hitzler mit Nabab la Majorie

Proberitt für die Jugend-Weltmeisterschaft 2009

Ungarn lockte. Nicht zum ersten Mal richtete das traditionsreiche Shagya-Arabergestüt Babolna einen internationalen Distanzritt aus. In diesem Jahr jedoch, am ersten Mai-Wochenende, fand dort die Probeveranstaltung für die Weltmeisterschaft der Jugendlichen und Jungen Reiter im Jahr 2009 statt. Grund genug, sagten sich Maike Grell und Rahel Lewin, die Abenteuerreise Richtung Süden anzutreten.

So starteten wir am Mittwoch vor dem Ritt zunächst Richtung Dresden: 3 Gespanne (2 Pferdeanhänger, ein Wohnwagen) mit 2 Reiterinnen und deren Pferden sowie einer 6-köpfigen Crew (die vor Ort noch um 2 Trosser verstärkt wurde), darunter Tierarzt Martin Grell und Thermograf Thomas Zimmermann.
Die erste Etappe führte uns ins Zwischenquartier bei Freital kurz vor der deutschen Grenze, bevor es am Donnerstag durch Tschechien und die Slowakei nach Ungarn ging.

Unsere schlimmsten Befürchtungen, die chaotische Straßen oder willkürliche Polizeikontrollen betrafen, bewahrheiteten sich nicht. Von Grenz- und Zollkontrollen (dem Schengener Abkommen sei Dank), aber auch von übereifrigen Ordnungshütern unbehelligt, rollten wir – freilich immer brav mit den vorgeschriebenen 80 km/h unterwegs – durch die ehemaligen Ostblock-Länder. Die neue Autobahn Dresden-Prag ist noch nicht ganz fertiggestellt, weshalb man einige Kilometer lang auf die alte Fernstraße ausweichen muss, und in Prag fehlt nach wie vor eine Innenstadtumfahrung, sodass man – zumindest unter der Woche (also auf der Hinreise) – in der Transitlawine stand, die sich durch die tschechische Hauptstadt wälzte. Bis auf die dann doch etwas holperigen 250 Autobahnkilometer von Prag bis zur slowakischen Grenze war’s das dann auch schon an Unannehmlichkeiten.

Babolna liegt nur 70 Kilometer tief im Land, im grünen Norden. Das Gestüt würde 1789 gegründet und beherbergt eine der bedeutendsten Araberzuchten der Welt. Die in sich geschlossene Hauptanlage umfasst mehrere Stallgebäude, eine historische Reithalle, ein Theater, ein um und das Hotel Imperial, in dem sich wahrhaft kaiserlich wohnen lässt – wenngleich sein Name sich nicht von dem Begriff ableitet, sondern auf das Rennpferd Imperial zurückgeht, einen in Babolna gezogenen Hengst mit außergewöhnlichen Erfolgen, dessen Skelett nach seinem Tod vor 5 Jahren präpariert wurde und im Gestütsmuseum ausgestellt ist.

Hinter dem Gestüt liegt der Springplatz und direkt nebenan beginnt die Stable Area des Internationalen Rittes. Ihr gegenüber, auf der anderen Seite der Hauptstraße, liegt das große Wiesenareal mit Start und Ziel, Crewing-Area und zentralem Vet-Gate. Auch Campingbereich und Catering-Zelt befinden sich dort, alles fußläufig erreichbar. Sofern man im Hotel Imperial oder in der Jugendherberge am Reitplatz untergebracht ist, braucht man nicht einmal ein Auto.

Die Pferde der ausländischen Teilnehmer waren in soliden Boxen untergebracht, darüber hinaus gab es das übliche Stallzelt. Paddocks konnten im Crewing-Bereich aufgebaut werden.

So gut wie die äußeren Bedingungen, war auch der Ablauf der Veranstaltung. Dank durchdachter Organisation und dem bewährten elektronischen Zeitnehmersystem von Harald Grinschgl (das u.a. auch bei den WEG in Aachen zum Einsatz gekommen ist) lief alles wie am Schnürchen. Der entsprechende Rahmen wurde der Veranstaltung durch eine festliche Eröffnung mit berittener Parade der Teilnehmer am Freitagabend verliehen.

Ausgeschrieben waren quasi alle Streckenlängen, wobei ich nur auf die CEI-Ritte über 80, 120 und 160 Kilometer eingehen will, die am Samstag ausgetragen wurden. Man hatte sich entschlossen, Senioren und Junioren getrennt starten zu lassen, und so gingen ab 6.30 Uhr im halbstündigen Rhythmus die Starterfelder auf die Strecke, unsere beiden Reiterinnen bei den 80er Senioren (Maike mit Spirit) und den 80er Junioren (Rahel mit Ramadan). Das Wetter war freundlich, geradezu ideal. Anders als am spröden Balaton – wohl die erste Assoziation, die viele mit Ungarn haben – besteht der Norden des Landes teils aus Laubwäldern, teils aus Feldern und Wiesen. So führte die Strecke ohne nennenswerte Höhenunterschiede an üppig blühenden Rapsfeldern entlang, über Grasland und durch lichte Wälder. Das Geläuf ist, gemessen an den Strecken anderer etablierter Ritte in Europa, nicht sehr anspruchsvoll und besteht zumeist aus Feldwegen, kaum Schotter und einigen Kilometern Asphalt. So viel steht fest: Es wird schnell geritten werden bei den Weltmeisterschaften im nächsten Jahr.

Dass im Distanzsport zahlreiche Faktoren zum Erfolg oder Misserfolg beitragen, bewahrheitete sich für unser Team diesmal von der bitteren Seite: Weder Tierarzt, Thermograf noch Riesencrew oder sorgfältig ausgewähltes Equipment konnten verhindern, dass Spirit im ersten Gate, Ramadan im zweiten von den Tierärzten aus dem Rennen genommen wurden: Unser Experiment mit einem neuen Beschlag war gescheitert; beide Pferde zeigten Sohlendruck.

Umso mehr freuten wir uns, dass die deutschen Teilnehmerinnen bei den 120er Senioren einen vollen Erfolg für sich verbuchen konnten. Hier setzte Belinda Hitzler sich mit dem achtjährigen Araberwallach Nabab la Majorie in einer Reitzeit von 06h:38min gegen die Österreicherin Alexandra Engleder mit Huba (06h:54min) durch. Nur zweieinhalb Minuten später kamen Marianne Hähnel und Baida in Nahar als Dritte ins Ziel. Nabab la Majorie wurde zudem der Best Condition zugesprochen.

Von 23 Startern auf dem Hundertmeiler blieben 12 in der Wertung, darunter auf Platz 11 die deutsche Starterin Katharina Dorn mit Kinzhal. Bei diesem Ritt holte der Ungar Jozef Toth mit Hanima in 9h:23min den Sieg nach Hause. Zweiter wurde der Slowake Pavol Prikryl mit Sumania (9h:24min) vor seiner Landsmännin Silvia Potocna mit Silva (10h:06min:27sec) sowie Vincenzo Catalano mit dem beeindruckenden Hengst Parytet (10h:06min:28sec), der seiner Mitreiterin ohne zu finishen bei der Arrival Time den Vortritt ließ. Belohnt wurde er mit dem Best Condition für Parytet.

Auch der Sieg für die 120er Junioren ging nach Ungarn, an Patricia Fekete mit dem Shagya-Wallach Aladdin (6h:55min) vor Vanda Kovacs (ebenfalls Ungarn) mit Kapitany (6h:56min). Den dritten Platz belegte die Tschechin Merkéta Terberova mit Wellfare (07h:03min). Der Sieger erhielt auch den Konditionspreis.

Der 80-Kilometer Ritt der Senioren wurde von Jacub Kysely (Tschechien) auf Woody entschieden (4h:09min), während sich bei den Junioren die beiden Österreicherinnen Rebecca Gölles auf Bend Or (4h:11min:20 sec) und Gerlinde Offenmüller auf Muzair P (4h:11min:21sec) ein packendes Finish lieferten. Der Deutsche Martin Herrmann kam mit Regina Romelia auf Platz 7 der Senioren-Wertung.

Fazit blieb: eine schöne Veranstaltung in großartigem Ambiente, mitten im gut erreichbaren Herzen Europas. Da sollte man wieder hinfahren – und sei es nur, um anderen Reitern das Wasser zu reichen.

Miriam Lewin