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Nord-Schleswige-Ride Dänemark (Mai 2006)

Nord-Schleswige-Ride am 26./27. Mai 2006 (16/30/45/66/95 km)

Auch in diesem Jahr zog es mich wieder nach Dänemark. Dieses Mal sollte es an die Nordsee gehen. Mittlerweile hatte ich mich auch schon „eingefuchst“ und wusste, wo ich welche Lizenzen und Unterlagen bekomme.

Nachdem ich meine Distanz-Saison eigentlich im März in Mehrin starten wollte, aber auf Grund des strengen Winters und der schlechten Witterung diesen Ritt abgesagt hatte und ich außerdem meinen guten, alten Freund „Bonny“ im Alter von 28 Jahren nach einem Glatteisunfall am Stall in den „Pferdehimmel“ reiten lassen musste, wollte ich auch nicht eine Woche später im April nach Fischerhude fahren. Im Nachhinein war ich ganz froh, denn nasse Füße hatte ich in diesem Jahr schon mehr als genug bekommen. Umso mehr freute ich mich nach so vielen traurigen Tagen auf die dänische Sonne, wenn auch nur für ein paar Stunden zu sehen und zu spüren.

Dieser Ritt war für mich etwas ganz besonderes, denn „Elliot“ und ich absolvierten ihn zu Ehren von „Bonny“. Auch „Elli“ ist inzwischen 12 Jahre alt. Aber je älter er wird, umso schöner und besser läuft er! Aber alles braucht seine Zeit, wie es mir mein altes Pony immer wieder gezeigt hat. Nicht die Geschwindigkeit ist ausschlaggebend, sondern dass der Reiter und das Pferd die Strecke schaffen!

Die Dänen haben die verschiedenen Ritte in Klassen so unterteilt, dass man erst 1-2 Ritte in der jeweiligen Klasse absolviert haben muss, um in der nächst höheren Klasse mitreiten zu dürfen. Man muss mindestens 8h/S reiten und höchsten 12 h/S bis man in die 4. Klasse aufgestiegen ist (LA). Danach kann man das Tempo selbst bestimmen.

Ich persönlich finde diese Regelung sehr gut. So kann man junge Pferde und junge Reiter oder ältere Pferde und unerfahrene Reiter in aller Ruhe an die Strecke heranführen und gewöhnen. Auch wird in Dänemark nur international gewertet und das auch bei nationalen Ritten! So gewöhnt man Pferd und Reiter gleichzeitig an die Gegebenheiten, wenn man in die höheren Klassen aufsteigen oder international auch in anderen Ländern reiten möchte.

Es gab keinen Stau in den Pausen, weil drei Tierärzte vor Ort waren und auch nur diese den Puls gemessen haben. Jeder Reiter ist dann auch selber für sich, seine Zeit und sein Pferd verantwortlich, wann er sich wieder beim Tierarzt vorstellen muss. Ich habe es geschafft, „Elli“ in der Pause innerhalb von 2 Minuten vorzustellen mit einem 52er Puls.

Am Freitagmorgen ging es mit vier Erwachsenen und zwei „Rottis“ im Gepäck über die Grenze. Eine Woche zuvor hatte der Veranstalter, Sören Jessen, mir die Unterlagen zugeschickt und mit am Telefon einen schönen Ritt versprochen. Er hat sein Versprechen gehalten.
Auf dem Reiterhof angekommen hatten wir die Wahl zwischen Box und Paddock. Ich entschied mich fürs Paddock. „Elli“ bekam eine kleine Wiese neben dem Reitplatz. Nachdem wir „Mann und Maus“ versorgt hatten, machten sich meine Freundin und ich uns mit dem Auto auf den Weg, den Start zu suchen.

Denn am nächsten Morgen mussten die Pferde verladen und ca. 15 km zum Start gefahren werden. Auf dem Hof fand nur die Tierarzt-Voruntersuchung statt. Die Pferde hatten außerdem die Möglichkeit, aufgrund der Witterung in den Boxen zu stehen. Die Voruntersuchung fand in einer blumengeschmückten Reithalle bei Kerzenschein und vielen freundlichen Gesichtern statt.

Die Vorbesprechung wurde uns auf einem Dia-Projektor mit einer ausführlichen Wegebeschreibung vorgeführt. Sören hat anschließend eine Extrabesprechung für mich gemacht. Ich hatte schon gedacht, orange Kreise auf der Karte mit einem Vermerkt „Veddepoint“ muss Wendepunkt heißen. Dabei handelte es sich um eine Wasserstelle.

Nichts zu verstehen, kann manchmal auch ganz lustig sein. Sören betonte auch immer wieder, dass das Gelände sehr flach ist. Aber man muss reiten und aufpassen, da das Geläuf alle 3 – 4 km einen anderen Unterrund hat. Da es statt Sonne erneut Regen gab, habe ich meine Strecke kurz entschlossen von 95 auf 66 km umgenannt.

Um 7.00 Uhr wurde gestartet und dann ging alle 30 Minuten die nächste Gruppe an den Start. So konnte sich niemand ins Gehe kommen – alles schön mit der Ruhe. Die 66-km-Gruppe ging um 7.30 Uhr an den Start. Es waren mittlerweile 20 Reiter.

Es gab einen Massenstart, doch auf einem sehr schönen Waldweg ging die Gruppe in einem lockeren Trab die Strecke. Ich hatte mich entschieden, hinten zu starten, da „Elli“ sehr nervös war und mit dem ständigen Brüllen seinem Namen (McLoud) alle Ehre machte. Er hatte schließlich auch 1 Jahr Pause, da im letzten Jahr nur meine (seine) Stute „Savannah“ gelaufen ist und nun Pause hat, nachdem sie ihre Zuchtprüfung abgelegt hat.

Die Strecke ging zuerst über flache Schotterwege, die dann in Graswege übergingen. Danach Passagen quer durch den Busch zurück auf die Strasse, die von Soldaten gesichert wurde. Anschließend kamen Wege mit sehr tiefen Waldböden, vorbei an verträumten Dörfern, übergehend in eine Dünenlandschaft mit einer Buckelpiste, dann wieder Graswege, Schotterpisten, Mooswege, Sandwege und Strassen zurück zum Ziel.

Nach 30 km 30 Minuten Pause. Ich bin die ganze Zeit allein geritten und habe auch niemanden getroffen. Doch meine Crew teilte mir unterwegs mit, dass sehr viele Pferde aus der Wertung genommen wurden.
Die zweite Runde war landschaftlich etwas anders. Dieses Mal mussten wir eine ganze Strecke durch eine wunderschöne Dünenlandschaft reiten. Ich bin an einigen schwierigen Abschnitten, wo mein Pferd eh nur noch Schritt gehen konnte, abgestiegen und habe ihn geführt, um Kräfte zu sparen!

Vielleicht war das das Rezept zum Erfolg oder das wachende Auge von „Bonny“ über uns. Am Ende belegten wir den 7. Platz. Abschließend mussten wir feststellen, dass, obwohl das Geläuf flach war, über die Hälfte der Reiter/Pferde nicht in der Wertung waren. Auch auf dem 95-km-Ritt kam nur eine Reiterin durch.
Das zeigt eigentlich, wie anspruchsvoll die Strecke gewesen ist. Man musste deshalb wohl mit einer guten Taktik und nicht mit einer hohen Geschwindigkeit reiten, um im Ziel anzukommen.

Alles in allem war dies einer der schönsten Ritte die ich in den letzten 12 Jahren gemacht habe und ich werde bestimmt nächstes Jahr wiederkommen. Bei der Siegerehrung bekam jeder Reiter ein Diplom, Schleifen und Geschenke für die Platzierten.

Kirsten Baginski