Palinger Heide (Mai 2004)
Hallo, mein Name ist Sophie und ich bin neun Jahre alt.
Mit diesem Bericht möchte ich mich bei alle denen bedanken, die es mir ermöglicht haben, am 8. Mai an diesem Distanzritt teilzunehmen. Doch ich fange am Besten ganz von vorne an.
Vor 8 Monaten habe ich bei Kirsten Baginski angefangen zu reiten. Vorher hatte ich schon mal ein wenig Unterricht, aber es hat mir nicht soviel Spass gemacht. Bei Kirsten habe ich gesehen, mit wieviel Liebe und Geduld sie an ihre Pferde heran geht. In diesen 8 Monaten habe ich mehr gelernt über Haltung, Pflege und Training der Pferde als in den Reitschulen vorher. Kirsten ist im Besitz dreier Pferde, “Bonny”, das 25 Jahre alte DRP, “Elliot”, das neunjährigen Halbblut und “Savannah”, eine sechsjährige Stute, an der ich gesehen habe, was man in 8 Monaten aus einem Pferd machen kann.
Jedes Jahr am 1. Mai findet bei uns in Nehmten ein Geländeritt statt. Kirsten hat eine Menge Leute mobil gemacht daran teilzunehmen, um auch den Nachwuchs im Distanzreiten zu fördern. Alle ihre 3 Pferde sind an den Start gegangen und wir haben an diesem Wochenende den Basis- und Reiterpass absolviert. Nun stand meinem ersten Distanzritt nichts mehr im Wege.
Es sollte ein Ritt über 35km werden. Ich war ganz locker, es war ja keine Prüfung, und Kirsten hat mir gesagt, dass Distanzreiten Spass machen soll. Es ist nicht die Zeit, sondern die Strecke die zu besiegen ist (angekommen ist gewonnen). Mein Papa war auch mit dabei und Bodo und Achim, unsere Maskottchen (Rottweiler), durften nicht fehlen. Meine Schulfreundin habe ich auch mitgenommen und wir hatten am Vorabend des Rittes eine Menge Spass im Nachbarzelt von den Distanzreitermädels aus Lübeck. Am Freitag Nachmittag kamen wir in Rupensdorf an und Sigrun und Michaela haben uns begrüßt. Alle waren sehr nett und einige Gesichter waren mir bekannt und ich hatte das Gefühl, dass alle Distanzreiter eine große Familie sind. Wir bauten unsere Paddocks auf und ich war überrascht, wie viel ich von dem Gelernten behalten hatte, obwohl ich erst zwei mal beim Trossen dabei war.
Bei dem 35km-Ritt gab es keine Pause und Kirsten fragte bei Michaela, ob wir auf die 62km umnennen können. Ich war total begeistert, dass es geklappt hat und hatte mir fest vorgenommen, durchzuhalten.
Bei der Voruntersuchung war ein alter Mann, der war ganz lieb zu mir und den Pferden. Er hat mir gesagt, was ich machen soll (Bonny wollte immer nur grasen). Das war der Tierarzt Dr. Blankenburg. Er ist sogar in dem Distanzbuch abgebildet, das ich als Ehrenpreis erhalten habe (Danke schön).
Als es endlich an den Start gehen sollte, wollte sich Elliot auf dem Reitplatz wälzen!!! Huch!!! Aber dann ging es los. Die Stoppuhr tickte und alle waren gespannt. Noch ein Küsschen für Papa und los gings.
Elliot lief vor und Bonny hinterher. Doch gleich in der ersten Kurve kam ein Hund aus einer Gartenpforte direkt vor Ellis Füße gesprungen. Er rutschte aus und sprang zur Seite und Kirsten ist auf ihren Po gefallen. Sie hatte starke Schmerzen, doch mir zu liebe ist sie wieder aufgestiegen und weiter geritten. Das werde ich ihr nie vergessen!!!
Der Ritt war ganz toll!! Die Pausen waren gut organisiert und das Gelände war spitze!! Aber einige Leute, die dort wohnten waren wirklich gemein. Sie haben uns angemeckert und immer wieder Hunde aus den Vorgärten geschickt. Einer ist sogar mit einer Harke hinter uns hergelaufen. Auf dem Rückweg waren die Markierungen abgerissen und wir haben uns deshalb verritten, wie auch einige andere, die hinter uns kamen. Ein Anwohner hatte sogar einen Draht gespannt, aber Kirsten hat das sofort gesehen und deshalb sind mir mitten auf der Straße geritten, obwohl ich gelernt habe, dass man das nicht darf.
Es wurde auch noch ein bisschen anstrengend, aber Bodo und Papa und unsere Maskottchen haben uns super versorgt (Papa könnte jedes Wochenende mit Bodo zum Trossen los). Im Ziel angekommen habe ich Kirsten ganz doll gedrückt und Elliot und Bonny auch.
Ich war nun sehr hungrig und es gab eine riesige Grillwurst, nachdem wir die Pferde zuerst versorgt hatten. Dann kam die Siegerehrung! Wir haben den 9.Platz belegt und ich war mächtig stolz!! Auch über den Ehrenpreis als jüngste Reiterin auf dem ältesten Pony habe ich mich sehr gefreut.
Bonny ist nun schon 25 Jahre als und in einem Pferdebuch habe ich gelesen, dass einige Sportpferde schon mit 8 Jahren zum Schlachter müssen. Kirsten meint dazu, dass manche die Pferde als Sportgerät sehen und nicht als Freund. Ich habe jedenfalls neue Freunde gefunden. Bonny, Elli und Savannah und ich hoffe und wünsche, dass sie alle gesund bleiben und ganz, ganz alt werden. Und das wünsche ich auch allen anderen Pferden. Und danke noch mal an Kirsten, die mir immer ein Vorbild bleiben wird.
Sophie Japp