 Marianne Retzer Eine so lange dauernd Anreise war gewiss nicht geplant, denn nach 14 Std. Fahrt erreichte das Hawkstone-Stable-Team erst um 2:00 Uhr morgens den Veranstaltungsort. Die Nacht war mit 3 Std. Ruhepause (1 Std. Schlaf) doch sehr kurz. Um 5:00 Melden und danach zum Tierarzt, damit um 6:00 Uhr der Start erfolgen konnte – das ging schon im Vorfeld an die Substanz. Der Start wurde aber auch kurzfristig um eine Std. vorverlegt, da große Hitze zu erwarten war. Der Verdacht bestätigte sich auch, denn tagsüber zeigte das Thermometer die Rekordhöhe von 37 Grad.
Die Rund
en wurden ebenfalls zugunsten der Pferde verkürzt, d.h. es waren nicht 2×30 + 1×20 km zu reiten, sondern 4×20 km. Damit konnten die Tierärzte die Pferde auf 80 km 1 x öfter untersuchen, ob sie den Strapazen gewachsen waren.
Naduah (15 J.) aus der eigenen Zucht startete langsam, da die Nacht zuvor mit nur 3 Std. sehr kurz war. Die Streckenbeschreibung „hilly“ traf den Nagel auf den Kopf. Ungarn kann durchaus hügelig (Mecsek Berge) sein. Keine Puszta weit und breit. Wunderbare Hügel, die zum Teil an Südfrankreich oder Italien erinnerten immer um das Naherholungsgebiet den Tekeres-See herum.
Die Strecken waren anspruchvoll und man durfte sich nicht zu schnellerem Tempo verleiten lassen, da die Strecke fast immer bergauf und bergab führte. Die Wege waren meist aus fein zermahlenem Lehm, der bei dieser Trockenheit zwar sehr staubig, aber griffig und keineswegs hart zu reiten war. Die Wege waren noch vom Frühjahrsregen etwas ausgewaschen und man musste schon aufpassen, wo das Pferd hintrat.
Die ersten 20 km verschwanden unter den Hufen wie im Flug und Naduah konnte sich nach dem ersten Vet-Gate für die nächste Runde qualifizieren. Auf den nächsten 20 km wurde es schon richtig heiß, obwohl es erst 9:00 Uhr war. Die Veranstalter hatten im Wald Wasserstellen eingerichtet, damit die Pferde auch dort wo keine Crew hinfahren konnte, Wasser zum Trinken bekommen konnten. Typisch für Ungarn ist, dass die Ortsansässigen die Reiter nicht nur beobachten und anfeuern, sondern sogar noch extra Wasser anbieten – egal welcher Nation.
Wieder am Veranstaltungsort angekommen, hieß es das Pferd kühlen (was sich mit dem warmen Seewasser als nicht einfach gestaltete) und wieder den Tierärzten vorstellen. Wieder konnte sich Naduah weiterqualifizieren. Die dritte Runde war ein Kampf gegen die Höchstzeit (12 km/h) – was den Spaß etwas reduzierte. Nach gerittenen 60 km wurde dann doch die Höchstzeit aufgrund der Witterung auf 10 km/h herabgesetzt und so startete das Hawkstone-Stable-Team nochmals auf die letzte Runde um dann nach 80 km als sechste die Ziellinie zu überqueren. Die Stute war fit und bestand die Nachuntersuchung, damit sind die 1007 km für dieses Pferd erreicht.
Der Stutenleistungsprüfung steht nun nichts mehr im Wege.
Ich startete am folgenden Tag noch einmal mit der Seniorin des Heimatlichen Stalles auf 40 km. Bijari Bint Bahira (20 J.) überraschte durch enormen Ergeiz und lief die 40 km bis ins Ziel. Doch die Hitze und die lange Anreise machten sich jetzt bemerkbar und Sie erreichte den geforderten Puls von 64 Schlägen nicht. Ohne diese Elimination wäre der Erfolg mit noch einem 4en Platz perfekt gewesen.
Mein Dank geht an meine zahlreichen Sponsoren (Ariat, Böckmann, Casco, Christ und Schwenkel), denn das zur Verfügung gestellte Equipment hat sich wieder einmal bestens bewährt. Natürlich möchte ich mich noch bei meinem Tross Conny Schlotz bedanken, die Ihren Urlaub für mich geopfert hat – ohne selbst zum Reiten zu kommen.
Marianne Retzer
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