CEI** 120km in Castiglione del Lago - Italien (April 2004)
Castiglione del Lago, den meisten noch eher als Perugia ein Begriff, liegt ganz malerisch direkt am Lago Trasimeno, dem größten See Umbriens.
Analog zum “Campionati Italiani”, der italienischen Meisterschaft, hatte das Umbria Endurance Equestrian Team noch die italienischen Jugendmeisterschaften sowie 120 km CEI** open ausgeschrieben.
Gleichzeitig gab es noch einen 91 km -Ritt, also vier Wettbewerbe für die insgesamt 148 Pferde aus Italien, der Schweiz, Spanien, UAE, Frankreich und Deutschland gemeldet waren. Ausserdem war die Australierin Meg Wade mit einem Leasingpferd angereist.
Da die Veranstaltung gemeinsam mit einer Flugschau, für die es entsprechend Promotion gab und nochmals Schaulustige anzog, durchgeführt wurde, herrschte schon am Donnerstag Volksfeststimmung auf dem gesamten Gelände.
Angenehm überrascht waren wir von Anfang an von der hervorragenden Organisation, der lockeren Atmosphäre und dem reibungslosen Ablauf der gesamten Veranstaltung angesichts der hohen Starterzahl.
Eine zweisprachige und bunt bedruckte Karte mit Höhenprofilen als Roadbook, alle 200m leuchtende Baulaternen im Wald für die 100 Meilen-Reiter, mit Schildern angekündigte “Waterpoints” alle 5 km und Pavillions mit Beleuchtung fürs Crewing waren nur ein paar kleine Highlights – Sponsoring machts möglich.
Nachdem um 5 Uhr morgens der Start für die Italienische Meisterschaft war, machten sich um 6 Uhr die 120 km open-Reiter auf die erste Etappe, gefolgt von den Junioren um 6.30 Uhr.
Nach einem Bilderbuchsonnenaufgang inmitten von Olivenhainen ging es direkt am Lago Trasimeno entlang, zum ersten Vet-Gate bei Km 35. Auf Runde zwei (32,7 km) führte die Route direkt am Castello vorbei, welches gerade renoviert wird, sonst aber absolut sehenswert ist, wie uns die Italiener versicherten.
Dieser Abschnitt war durch kurze aber heftige An- und Abstiege der anspruchvollste der gesamten Strecke, aber besonders schön zu reiten.
Wir durchquerten immer wieder Weingüter und Pinienwälder – Urlaubsfeeling! Taurhyn hatte sich mit einem Pferd aus der Schweiz angefreundet, das Tempo passte und wir freuten uns über deutschsprachige Begleitung. Runde drei (23,3 km), die kürzeste, sah nach dem Höhenprofil so aus, als könnte man eben mal schnell durch reiten, was sich aber als Trugschluss herausstellte, da zwei Drittel der Strecke unter Wasser standen.
Die lehmigen Stellen waren noch einigermaßen gut zu bewältigen, spannender wurden die torfigen Sumpflöcher, bei denen man nie so genau wußte, wie tief sie sind…
Die letzte Runde (29 km) führte nach dem dritten Gate wieder über vorwiegend sehr faires und schön reitbares Geläuf zurück zum Lago Trasimeno und somit ins Ziel.Wir legten auf dieser letzten Runde nochmal etwas an Tempo zu und so kamen meine Mitreiterin Sandra Schar (Schweiz) mit Crazy for Chicco und ich mit Taurhyn auf den Plätzen 15 und 14 ins Ziel.
Beim 120 km CEI** open waren 48 Pferde am Start, von denen 30 in der Wertung blieben. Trotz der Wärme waren die meisten Ausfälle lahmheitsbedingt. Gewinnen konnte dieses Rennen der Spanier Miguel Vila mit dem Partbred Nedjfor im Finish vor dem Schweizer Hansjörg Bendiner mit der bewährten Kamaya (Best Condition) und Mohammed al Shafar (UAE) mit El Dekehi Raiself.
Die Italienischen Meisterschaften liefen recht unerwartet ab: Der frenetisch gefeierte dreifache Meister Antonio Rosi mit seinem Alex Raggio del Sole galt als uneingeschränkter Favorit des Rennens, bis er in Vet Gate 3 wegen Lahmheit ausscheiden musste. So erging es auch Mitfavorit Gianluca Laliscia, der seine Shalifa F im dritten Gate zurückzog. Ebenfalls bekannte Reiter wie Jacopo di Matteo mit Urugay (Team-Y-WM Rom 2003) und Chiara Rosi mit dem erfahrenen Galax waren genauso vom Pech verfolgt.
Italienischer Meister 2004 wurde somit mit einer Geschwindigkeit von 15,6 km/h Mario Cutolo mit Zyad el Asil. Den 100-Meiler bewältigten von 24 Startern nur acht in der Wertung.
Getrübt wurde die Veranstaltung lediglich von einem heftigen Gewitter mit Sturm und Platzregen, welches am Samstagabend sämtliche Stände, Pavillions und das komplette Vet-Gate verwüstete.
Für die Italiener hat das Distanzreiten als Sport einen sehr hohen Stellenwert und ist mit dem Springreiten die populärste Pferdesportdisziplin.
In Castiglione hatte man das Gefühl, alles dreht sich an diesem Wochenende nur um die Pferde und das Distanzrennen. Schätzungsweise 100 Polizisten waren im Einsatz, um Strassenübergänge zu sichern oder Strassen komplett zu sperren und so einen reibungslosen Wettkampf zu gewährleisten.
Castiglione del Lago, an der südlichen Grenze der Toscana gelegen, ist in jedem Fall eine Reise wert. Die Strecke ist gut reitbar und fair und das Ambiente ganz speziell. Trotz des Flairs einer internationalen Grossveranstaltung und des hochkarätigen Starterfeldes wäre hier auch jemand, der das erste Mal im Ausland starten möchte gut aufgehoben.
Die Gastfreundschaft der Italiener ist genau wie ihr gutes Essen und der Wein eben nicht nur sprichwörtlich…
© Astrid Becker