CEI*** 140km in Bonifacio-Korsika - Frankreich (April 2004)
“Les 140 km de l’EXTREME SUD”
am 17. April 2004
Am südlichsten Ende der wild-romantischen französischen Insel Korsika fand am 17. April 2004 ein CEI*** Ritt über 140 km statt.
Als einzige deutsche Reiterin nahm Ursula Klingbeil mit ihrem Arabo-Trakehner Khalif daran teil.
Insgesamt nannte nur ein Starterfeld von 34 Reitern, was sicherlich an der noch jungen Saison und den fehlenden Trainingseinheiten lag, denn dieser Ritt kann zu den härtesten, aber auch schönsten in Europa gezählt werden. Vor allem französische Spitzendistanzreiter waren anwesend, so die Weltmeisterschaftsdritte Dominique Payen, Maurice Saint, Jack Begaud und natürlich 10 korsische Reiter mit einem gewissen Heimvorteil. Einzige ausländische Teilnehmer waren Alexandra Winterstein (USA), die allerdings in Frankreich lebt und trainiert, und Ursula Klingbeil (Deutschland).
Das Comite d’Endurance Equestre Regional de la Corse unter der Leitung von Jose Pietroni hat einen perfekt organisierten Ritt geboten. Ab 10. April waren die Pferdeboxen bezugsbereit, und Jose hat allen Teilnehmern bei der Quartiersuche vorbildlich zur Seite gestanden. Das gesamte Organisationskomitee hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um allen Wünschen der Reiter sofort gerecht zu werden. So standen unter anderem Heu, Stroh und Paddocks in beliebiger Menge und hervorragender Qualität kostenlos zur Verfügung. Ein überaus herzlicher Empfang und eine Einladung zum Abendessen waren der perfekte Auftakt zu einem gelungenen Distanzritt.
Samstag morgen um 6 Uhr startete das Feld auf die insgesamt vier Schleifen der 140 km durch „l’EXTREME SUD“.
Bereits nach 7 km der 38 km langen ersten Schleife wartete auf die Reiter eine Herausforderung der besonderen Art: Am Plage de Ballistra musste das Meer auf 20m mit felsigem Untergrund und sattelhohem Wasserstand durchquert werden. Viele Reiter sammelten hier schon erste Schwimmerfahrungen. Durch die vorausgegangenen Sturm- und Regentage war das Meer besonders aufgewühlt, was sich auch auf der folgenden Strecke durch viele Wasserpassagen und ausgewaschene Wege widerspiegelte.
Im ersten Vetgate bei Figari lag das Feld mit nur noch 31 Reitern und einem zeitl. Abstand von 16 Minuten noch dicht beeinander. Ursula Klingbeil und Khalif starteten als siebtplazierte auf die zweite Runde von 33 km. Durch endlos blühende Wiesen stieg die Strecke nun doch auf 200 m über den Meeresspiegel an. Nicht die Höhenmeter, sondern der Untergrund erschwerten diesen Teil der Strecke. Felsige Wanderwege, Wildbachdurchquerungen und romantisch verschlungene Steinlandschaften erforderten alles reiterliche Geschick. Trotzdem kamen die 31 noch in der Wertung reitenden Teilnehmer in einem Zeitfenster von 27 Min. im zweiten Vetgate an. Ursula Klingbeil und Khalif verließen als sechste von noch verbliebenen 27 Reitern das Gate.
Die dritte Runde war mit 42 km die längste, kräfteraubendste – allerdings auch landschaftlich die reizvollste. Sie führte direkt zum Baie de Figari und kilometerlang am felsigen Meeresstrand entlang. Als kleine Zwischenepisode war eine Treibsanddurchquerung angesagt, die allerdings ohne nenneswerte Ausfälle ablief. Nun folgten noch 15 km harter Auf- und Abstieg bis zum dritten Vetgate in Bonifacio. Dieses verliessen nur noch 18 Reiter – Ursula Klingbeil ließ sich auf Platz 10 zurückfallen, da mittlerweile die Temperaturen stark angestiegen waren. Bisher lag die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 14 – 16 km/h, ein Tribut an die Strecke.
Die letzten 27 km führten die Reiter an der felsigen Steilküste des südlichen Korsikas entlang. Herrliche Panoramen, aber nur noch Steine – Steine – Steine – Felsen – und wieder Steine. Reiter und Pferde waren auf’s Härteste gefordert. Die Führenden, Jack Begaud und Maurice Saint, erlebten Frauenpower der Stephanie Arnal aus der Provence, die auf dieser Runde mit 21,8 km/h das Feld von hinten aufrollte. Sie konnte auch den Sieg, der mit 1.575 Euro dotiert war, in einer Gesamtreitzeit von 8 h 45 min. 47 sec. mit nach Hause nehmen. Den zweiten Platz belegte 2 sec. hinter der Siegerin der 69jährige Maurice Saint. Auf Platz 3 mit einer Gesamtreitzeit von 8 h 46 min. 33 sec. kam Jack Begaud.
Ursula Klingbeil mit Khalif belegte mit einer Gesamtreitzeit von 10 h 22 min. 30 sec. Platz 16, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,49 km/h entspricht. Unter Berücksichtigung der in Deutschland wetterbedingt schlechten Trainingsmöglichkeiten im Winter ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann.
Dieser Ritt der Superlative in allen Belangen hätte eigentlich ein größeres internationales Interesse verdient. Jose Pietroni und seinem Heer von ehrenamtlichen Helfern kann hierzu nur gratuliert werden.
Jörg Berlinghof