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Weltmeisterschaften der Junioren in Pratoni del Vivaro - Italien

Verena Müller mit Taurhyn und Katharina Feldmann mit Ricco ©Conny-Koller


Joana Al Samarraie mit Tamunis beim letzten Vet-Check am Freitag Foto:Heidi-Bernsdorff


Auf der Strecke ©Conny-Koller


Das deutsche Team ©Conny-Koller


Alexandra Scharrer mit Valina in Gate 1 ©Conny-Koller


Lisa Dahmen und Momo im Ziel ©Conny-Koller


Ricco mit seiner Besitzerin Heike Eberhardt beim Vet Check am Tag vor dem Ritt. Er belegte mit der Teamreiterin Katharina Feldmann den 34. Platz Foto:Heidi-Bernsdorff

Südlich von Rom fanden die Weltmeisterschaften der jungen Distanzreiter statt. Es hatten sich 24 Nationen gemeldet. Die jüngsten Reiterinnen und Reiter waren 14 Jahre alt, die ältesten 21.

Es wurde erstaunlich gut geritten, auch wenn man an einem Crew-Punkt hören konnte: “Na ja, in der ersten Runde war das Pferd so schnell, es wollte einfach mitlaufen!”

Bei einem Gespräch mit dem Präsidenten des “Appeal Commitees”, Eef Schreurs aus den Niederlanden, hörte ich großes Lob zur Strecke. Bei der Generalprobe früher im Jahr muss das wohl noch nicht so ausgesehen haben, denn der Ritt wurde abgebrochen. Die Strecke war anspruchsvoll und ungeheuer abwechslungsreich. Wiesenstrecken folgten Waldwegen, steilen Bergpfaden folgte Asphaltstraße bergab. Es musste sehr überlegt geritten werden, schnelles Drauflosreiten über vier Loops war einfach nicht möglich, schon gar nicht bei der roten Piste, die in die Berge führte! Dabei war dann die Durchschnittsgeschwindigkeit von 16,33 km/h, die der Sieger G. Fernandez (Spanien) mit seiner 14-jährigen Araberstute Saukira ritt, noch ungeheuerlich schnell.

Natürlich hatte Italien als Gastgeber einen Heimvorteil. Namen wie Fausto Fiorucci und Gianlucca Lalisca sind für die Jugend “Zugpferde”.

Eine Überraschung stellte für mich die Teilnahme der ersten Reiterin im UAE-Team dar. Als ich Layla Al Redha gratulierte – sie kam weit vor allen männlichen Reitern ihres Teams auf den 8. Platz mit einer Geschwindigkeit von 15,90 km/h – war sie still und bescheiden.

Die erfolggewohnten Reiter/ innen der Vereinigten Arabischen Emirate mussten sich dieses Mal mit der Bronzemedaille im Team zufrieden geben. Titelverteidiger S. E. Scheich Hamdan bin Mohammed al Maktoum, wurde im zweiten Vetgate wegen Lahmheit herausgenommen – sein Pferd erhielt einen Schlag ans rechte Vorderbein. Der Pulk ritt dicht zusammen, bei einer Biegung schlug ein Pferd aus und erwischte seins. “Ich hätte lieber selbst den Schlag abbekommen, dann hätte ich sicher weiterreiten können!”

Pratoni liegt in einem Hochtal, umringt von Bergen bis zu 1.200 m. Die Berge sind größtenteils vulkanischen Ursprungs und aus Urgestein, Granit und Basalt. Pinienwälder wechselten immer wieder mit Esskastanienwäldern ab, es ist die Zeit der reifen Kastanien, die überall den Boden übersäten. Außerdem standen entlang der Straße zahlreiche kleine Stände, an denen die Bauern der Gegend Steinpilze aus den umliegenden Wäldern verkauften. Ein Crew-Punkt war mitten im Ort Rocca di Papa an einem Brunnen. Beim Abfahren der Strecke stellte ich mir vor, ich sei auf der Runde, sehr langsam – alle anderen an mir schon vorbei und ich müsste den Weg finden, allein im Dunkeln. Eine gruselige Vorstellung, dennoch scheinen ja alle ohne Suchdienste mehr oder weniger gut zurückgekommen zu sein. Von 89 gestarteten Reiter/innen kamen 50 heil ins Ziel, ausgeschieden waren 17 wegen Lahmheit, 16 wegen metabolischer Probleme und nur wenige wegen zu hoher Pulsfrequenz.

Heidi Bernsdorff

Und das deutsche Lager?

“Eine tolle Veranstaltung, ein tolles Team, eine tolle Betreuung! Aber die Siegerehrung war etwas knapp und es fehlte definitiv die offizielle Party!!!” Das war die einhellige Meinung der fünf deutschen Nachwuchsreiterinnen, von denen einige ganz besonders vom Charme der Brasilianer angetan waren….

Auf einer wahrlich WM-würdigen Strecke schlugen sie sich souverän gegen die Weltspitze, deren Pferde oft von Profis trainiert werden. Die amtierende deutsche Junioren-Meisterin Lisa Dahmen belegte mit Momo Platz 28 und Katharina Feldmann mit dem 18jährigen, ihr von Heike Eberhardt zur Verfügung gestellten Ricco Platz 34. Als 42te und 43te galoppierten Einzelreiterin Alexandra Scharrer mit Valina und Joana Al Samarraie mit Tamunis ins Ziel. Für Verena Müller, die den ihr von Astrid Becker gestellten Tauryhn sattelte, endete das Rennen leider wegen zu hoher Pulswerte im letzten Gate, obwohl Verena wie alle anderen deutschen Reiterinnen äußerst vernünftig geritten war. Doch der Kurs hatte es eben wegen der ständigen Höhenunterschiede in sich. “Ich habe nicht mit einer solch schweren Strecke gerechnet”, erzählt Joana später. “Ich wollte unbedingt durchkommen und wir haben es geschafft. Deshalb bin ich besonders stolz auf mein Pferd.”

Mit gesundem Pferd ankommen – so lautete die oberste Devise bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Italien für das deutsche Team. Auf einen Platz auf dem Treppchen spekulierte man diesmal erst gar nicht. Stattdessen sollte lieber die Mannschaft für ein gutes Abschneiden sorgen. Equipechef Roy Thiele sowie die Mannschaftstierärzte Claudia Zerlik und Martin Hermann nominierten deshalb im Vorfeld nur die Paare, von denen sie sicher waren, dass sie auch ein Chance haben würden, ihre Pferde gesund über die Strecke zu bringen.

Das Schreckgespenst Massenstart vermied Roy, indem er alle etwas später auf die Strecke schickte. Während vorne das Gedränge groß war und die Hektik an den Nerven zerrte, fielen die deutschen Reiterinnen durch ihre Gelassenheit positiv auf. Fast alle. Nachdem Lisa auf den ersten Kilometern der Kandarenzügel riss, fand sie sich unbeabsichtigt an der Spitze des Feldes wieder. Erst an einem Crewpunkt eilte Hilfe herbei. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Stute schon zu aufgedreht. “Ich erkannte das Pferd kaum wieder. Sonst ist sie eher ruhig und immer zu regulieren.” Lisa machte das Beste daraus. Ihrer Erfahrung ist es zu verdanken, dass sie Momo dennoch heil ins Ziel brachte.

Besonders angetan waren die Reiterinnen von dem deutschen “Bodenpersonal”. “Es war ein tolles Team, in dem ich mich von Anfang an wohl fühlen konnte”, meinte Alexandra später. Katharina bestätigte: “Unser Team passte richtig gut zusammen. Keiner von uns war sehr aufgeregt, ich hatte den Eindruck, wir waren sogar ruhiger als unsere Betreuer.”

Natürlich gibt es auch viele Geschichten zu erzählen… Von Roy, der mit seinem Wohnwagen auf dem Brenner beinahe die Abkürzung durch die Schlucht genommen hat. Von der Crew, die zweimal ihren Flieger verpasste. Von dem in Bozen liegen gebliebenen Gepäck inklusive der Papiere. Von dem Umweg über Wien. Vom Stromausfall und kaltem Wasser. Von…? Na, dann solltet Ihr einfach mal die fragen, die dabei waren und für unsere Nachwuchsstars so toll geackert haben!

Conny Koller

Mannschaftsergebnisse

Gold: Italien in 23:57:26 h mit Carlo di Battista, Diana Origgi, Simona di Battista
Silber: Frankreich in 24:04:38 h mit Virginie Atger, Celine Just, Celine Legros
Bronze: VAEmirate in 24:51:15 h mit Leyla Al Redha, SE Sh Majid bin Mohammed Al Maktoum, Rashed Saeed Al Kamda

Einzelergebnisse

Gold: Giovanni Fernandez Diaz mit Saukira (ESP) mit 16,331 km/h
Silber: Jacopo Di Matteo mit Uruguay (ITA)mit 16,247 km/h
Bronze: Virginie Atger mit Elais D’Aurabelle (FRA) mit 16,246 km/h

28. Lisa A. Dahmen u. Momo mit 13,45 km/h
34. Katharina Feldmann u. Ricco mit 12,78 km/h
42. Joana Al Samarraie u. Tamunis mit 11,83 km/h
43. Alexandra Scharrer u. Valina mit 11,83 km/h