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Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt







Fotos: Susanne Schwarz








Eine flache Strecke mit vielen Wiesenwegen – so war mir der Ritt „Rund um’s Mindeltal“ im Vorfeld beschrieben worden und das war es, was ich für meine ersten 120 km suchte. Also machte ich mich auf und fuhr dieses Jahr zum dritten Mal ca. 350 km nach Bayern.

Am Veranstaltungsort angekommen lief aber alles erst mal ein wenig holprig an. Als Startort war lediglich „Ziemetshausen“ angegeben, die Wegbeschreibung auf der Homepage des Veranstalters (www.rauner.jimdo.com) „Nehmt die 3. Ausfahrt nach Ziemetshausen, dann sieht man rechter Hand das Industriegebiet. Ziel erreicht“ hielt sich mit Details auch eher zurück. Ein erster pinkfarbener Wegweiser, der an der ersten Abfahrt angebracht war, konnte sich nicht so recht entscheiden, ob er nun in die Abfahrt hinein oder an ihr vorbei zeigen wollte. Dass an den nachfolgenden Abfahrten wieder gar kein Wegweiser hing, irritierte zusätzlich. Dennoch nahmen wir brav die dritte Abfahrt. Ein Industriegebiet war jedoch auf den ersten Blick nicht zu erkennen und so drehten wir erst mal einige Runden durch das Örtchen, bis wir schließlich irgendwie doch am Ziel bzw. Start ankamen.

Sehr positiv fiel dort gleich die gigantisch große Paddockwiese auf, sodass sich die rund 50 Starter nahezu verliefen. Es war auch durchaus günstig, so viel Platz zu haben. Die Wiese erwies sich nämlich als recht feucht und so konnte man immer wieder den Paddock ein wenig auf ein frisches und unzertrampeltes Wiesenstück verrücken. Diejenigen, die sich die Mühe nicht machten hinterließen denn auch nach zwei Tagen einen umgepflügten Acker.
An der Meldestelle konnte man eine sehr detaillierte Karte der 41 km langen Rundstrecke einsehen, von der nach gut der Hälfte eine zusätzliche 20 km lange Runde abzweigte. Damit war nach einigem Grübeln schnell klar – die Pause ist auf der Strecke. Das Kreuzchen unter „zentrales Vetgate“ auf der Ausschreibung hatte ich zwar anders gedeutet, aber immerhin die nächste unangenehme Überraschung, nämlich dass es auf den ersten 80 km nur eine einzige Pause nach km 40 geben würde, wäre mir erspart geblieben, hätte ich die Ausschreibung ordentlich gelesen. Meinen impulsiven verbalen Ausbruch „Na das ist ja bescheuert“ nahm mir die Veranstalterin, die direkt neben mir stand jedoch entweder nicht übel, oder sie zeigte es freundlicherweise nicht. Überhaupt verbreitete jeder einzelne des Helferteams während der kompletten Veranstaltung immer gute Laune. Nicht ganz klar waren mir auch Start- und Zielort, die erstens weiter auseinander und zweitens nicht direkt an der Paddockwiese zu liegen schienen. Die beiden Punkte in unseren recht kleinen Karten verdeckten jedoch eher das halbe Dorf, als wirklich konkret Aufschluss zu geben. Ich hoffte auf die Vorbesprechung.

Die Suche nach dem ein Stück entfernt im Dorf aufgebauten Versorgungszelt, in dem die Vorbesprechung und später auch die Siegerehrung mit anschließender Party inklusive Live-Musik stattfinden sollte, erwies sich zunächst wieder einmal als etwas schwierig. Aber im zweiten Anlauf fanden wir auch dieses ebenso wie ein niedliches Toilettenhäuschen (mit romantischer Petroleumlampenbeleuchtung). Zu größeren Staus kam es vor dieser einzigen Toilette jedoch nicht, denn die Pause lag ja auf der Strecke (und dort gab es nur den Wald – der ist groß genug für alle).
Die Vorbesprechung gab über einiges Aufschluss, z.B. dass die Trosspunkte – auf legal befahrbaren Wegen – frei wählbar waren. Meine Frage nach dem Zielort und den Weg von dort zurück zum Start (auf 120km würde ich dieselbe Strecke zweimal reiten) wurde jedoch mit so viel Zuversicht als „an der Kläranlage“ und „ist alles markiert“ beantwortet, dass ich sicher war, es müsse sehr eindeutig vom Zeltplatz aus zu finden sein. Sicherheitshalber machte ich mich dennoch anschließend mit dem Auto auf den Weg, Start und Ziel sowie die Pause und einzelne Trosspunkte zu besichtigen. Allein ohne Navi und nur mit einer sehr kleinen (aber dafür farbigen und sehr scharfen) Karte würde es für meinen Tross sonst evtl. in der Hektik schwierig werden, den ein oder anderen Punkt zu finden.
Alles was auf der Strecke lag fanden wird auch. Aber die einzige Kläranlage, die wir im Dunklen noch finden konnten, war fast einen Kilometer vom Lager entfernt. Sollte tatsächlich dort das Ziel sein? Gut, ich würde reitenderweise automatisch irgendwann ins Ziel gelangen, das nach 60 km auch Vet Check war, aber mein Tross sollte schließlich auch dorthin finden. Einen Start fanden wir gleich gar nicht. Irgendwann gegen Mitternacht gaben wir die aktive Suche auf. Es war glaube ich Astrid Götz, die sich spät noch auf der Paddockwiese herumtrieb und die mir schließlich bestätigen konnte – ja, das Ziel ist genau dort an jener Kläranlage und der Start ist gleich am Ende der Paddockwiese.
Nach all den Unklarheiten des Vorabends gingen wir nicht gerade zuversichtlich ins Bett. Doch der Ritt selbst am nächsten Tag sollte völlig unproblematisch ablaufen. Pünktlich zum Start der vier 120 km Reiter um sieben (der Hundertmeiler war an zu wenigen Nennungen gescheitert) hörte der Regen, der in der Nacht eingesetzt hatte auf und es blieb den ganzen Tag über mehr oder weniger trocken. Die Strecke bot zwar reichlich Asphalt, jedoch oft mit einem bereitbaren Seitenstreifen. Und letztlich entschädigten die versprochenen Wiesenwege auch die wenigen nicht so schönen Abschnitte. Trotz des etwas feuchten Wetters waren sie nie zertrampelt und auch fast immer ohne tiefere Fahrrinnen – wirklich die perfekten Reitwege. Dazu wurde mit Sprühfarbe eine Markierung gewählt, die erstens gut zu erkennen (das Gelb, welches ich im Vorhinein als etwas problematisch angenommen hatte, war sogar noch besser zu sehen, als das Pink) und zweitens für alle Scherzkekse um-/ abmarkierungssicher ist. So wurde schnell klar, woher die schnellen Reitzeiten dieses Rittes kommen.
Die Pause auf der Strecke bot genügend Platz und Gras für alle. Und auch wenn sich in der ersten Pause die Teilnehmer aller Strecken ein wenig knubbelten – in der Wartezeit auf den Tierarzt konnte man das Pferd schon mal entspannt in der Nähe Grasen lassen, so dass trotzdem kein Stress aufkam und man nicht das Gefühl hatte Pausenzeit zu verlieren. Allein die bergab-Feldweg-Vortrabstrecke war hier nicht ganz optimal gelöst, bleibt aber – vielleicht noch zusammen mit der schmalen Holzbrücke als Eingang zur möglichen Finishstrecke, die einen Unfallpunkt darstellen könnte – auch der einzige Kritikpunkt an der Strecke.













Da ich mich nun leider nicht, wie erhofft, zeitlich zwischen den Hundertmeilerreitern verstecken konnte, mussten in der letzten Pause, wie im Ziel alle Helfer ca. anderthalb Stunden nur noch auf mich allein warten. Dennoch gab mir keiner das Gefühl, den wohlverdienten Feierabend hinauszuzögern. Im Gegenteil – mit einem netten Lächeln und aufmunternden Worten wurde ich aus der Pause geschickt und mit lautem Gejubel wurde ich im Ziel empfangen. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass sich jeder mit mir freut.
Die Siegerehrung wurde am Abend für die kurzen und mittleren Distanzen getrennt von den langen Ritten abgehalten. Einerseits natürlich schade, andererseits waren alle die, die noch am selben Abend nach Hause fahren wollten – das ist bei den kürzeren Strecken meist der überwiegende Teil –sicherlich froh, dass es nicht allzu spät wurde. Bei guter Stimmung gab es jeweils Pokale und einen Sack Futter für die ersten drei Plätze und Plaketten und Futterproben vom Sponsor Agrobs für alle anderen. Auf der 120 km Strecke kamen die drei, die außer mir gestartet waren – Gabi Schreiber auf Rashid Ibn Baquero, Aylissa Zwickl auf Check In und Verena Glück mit Masir – nach acht Stunden und neun Minuten (T4,01) gemeinsam ins Ziel und wurden auch gemeinsam gewertet. Der Best Condition ging am nächsten Morgen an Masir von Verena Glück. Auf der 80 km Langstrecke kamen nach 4 h 46 min (T3,48) Kathrin Falke-Schmidt auf Larogna und Barbara Müller mit Stephlex nach einer gemeinsam gerittenen letzten Runde ebenfalls gemeinsam ins Ziel. Jedoch hieß es, die Uhr sei gerade in dem Moment, als Barbara Müller die Ziellinie überquerte eine Minute weiter gesprungen, sodass diese etwas enttäuscht mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen musste. Den dritten Platz teilten sich beiden Kabardiner Isumrud und Adygaya von Julia Wetzler und Karin Stadtherr mit einer Reitzeit von 5 h 1 min was T3,67 entsprach. Der Konditionspreis wurde an das siegreiche Pferd Larogna verliehen.

Den 62 km langen MDR konnte Tamara Girsig auf Sunshine in einer Reitzeit von 3 h 40 min für sich entscheiden. Die Plätze zwei und drei belegten mit nur einer Minute Differenz Nina Sepp auf Galita (3 h 57 min/ T3,82) und Petra Baars auf Alpes Leandra (3 h 58 min).
Auf der 41 km langen Kurzstrecke teilten sich wieder zwei Reiter und Pferde den ersten Platz: Kirstin Meier und Anja Peter kamen auf Riannon und Jurij Gus nach 2 h 45 min (T4,02) ins Ziel und hatten damit eine gute Viertelstunde Vorsprung auf die drittplatzierte Conny Hauschild mit Khremafino. Der Einführungsritt über 40 km wurde von sieben Reitern bestritten die auch sämtlich in der Wertung blieben und derer vier LK I und drei LK III erreichten. Leider fehlen mir die Ergebnisse der 62 km Strecke.
Fazit: manchmal kommt es nicht nur anders, sondern auch besser als gedacht. Wenn man Paddockwiese, Start und Ziel erst mal gefunden hat, steht einem schönen Ritt über eine einfache, angenehm zu reitende Strecke in einer sehr herzlichen Atmosphäre nichts mehr im Weg. Die lange Anfahrt hat sich definitiv gelohnt!

Vera Mikat