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„Die Heide“













Fotos: Gunther Jordan

Die Heidedistanz ist einer der legendärsten Ritte – inzwischen seit 35 Jahren! Ursprünglich ging es in der Etappe um die Strecke zwischen Hannover und Hamburg, heute führt sie von Feuerschützenbostel (bei Celle) nach Brackel (Kreis Harburg, Höhe Lüneburg).
Dieser Hundertmeiler (oder auch 81er Plus-Ritt) hat seinen Reiz vor allem durch den Nachtstart und die ersten Stunden in Dunkelheit mit Knicklichtern und Vollmond.
Seit 2009 wird schon nicht mehr gesungen am Start – kaum noch jemand kennt den Text des einst traditionellen Liedes mit den kleinen Wölfen. Wenn man am Start zufällig neben langjährigen Teilnehmern steht, hört man aber noch Textfragmente und ein bisschen Summen. Die Flasche Schlehenlikör geht um, und in diesem Jahr war der Massenstart so ungefähr die entspannteste Sache seit Einführung der GHP. Alle Reiter hatten es geschafft, sich weitestgehend so zu sortieren, wie sie ihr Tempo geplant hatten, es gab weder Stirnleuchten noch Blinkies. Das Wetter war perfekt, der Mond gab Licht genug.
Ein wenig wie in vergangene Zeiten versetzt oder in die Romantik von Fantasy-Autoren, so erschien das weiße Licht zwischen den Baumreihen auf der ersten Etappe. Und die war lang! Rund 40 Kilometer bis zur ersten Pause, die in diesem Jahr auf einen besseren Platz verlegt wurde. Eine zähe Zeitspanne, die Böden zwar besser, aber nicht immer so, dass man sie gerne bei Tag gesehen hätte. Wer gerne „von Pause zu Pause“ reitet, tat sich hier schwer. Der einstündige Frühstücksstop bei Kilometer 81 war dann wirklich willkommen!
Bis Kilometer 120 ist die Strecke atemberaubend schön und abwechslungsreich – aber nicht einfach. Das denkt man jedenfalls, wenn man den Rest noch nicht kennt. Die Aussicht auf Nudeln bei km 120 beflügelte enorm! Das Pony wusste auch Bescheid und steppte ordentlich voran. Von der Etappe 120-140 km hatte man schon gehört: schwer, zäh, kräftezehrend! Verdammt nochmal: ja! Tiefster Heidesandboden, wahlweise kopfsteinmäßig gepflasterte Kutschenfahrspuren. Oft war nur Schritt denkbar. Dazu lange Wege, stur geradeaus. Müdigkeit im Kopf, im Körper. Die Schönheit der Heide war teilweise so surreal, dass man sich kaum noch vorstellen konnte, in Deutschland, geschweige denn im eigenen Bundesland zu sein. Jeder Streckenposten war ein hochwillkommenes Highlight! Eigentlich unfassbar, dass überall in der Landschaft verteilt Freiwillige stundenlang ausgeharrt haben, um zu warten, dass Pferd-Reiter-Paare vorbei kommen, um diesen für eine gefühlte Minute Wasser, Saft, Bananen und Schokoriegel anzubieten. Je mehr Kilometer aufs Tacho kamen, umso wichtiger wurden diese Posten! Das Karte lesen und Abreiten wurde zur Millimeterarbeit!
Wie schön, erfahrene Trosser an der Seite zu haben, die genau dieses Gefühl kannten! Die auf den letzten Kilometern immer wieder auftauchten und die Richtung wiesen, Zuspruch gaben und sagen konnten: „Jetzt wird es noch mal tief, dann biegt Ihr ab, und es wird besser. Es dauert nicht mehr lange!“ Eine Frischedusche unter der Feldberegnung kurz vorm Ziel tat gut.
Unbeschreiblich war der Empfang im Ziel! Eine schwarze Menschenmenge, rote Blitzlichter, Gejohle! Ein letzter Energie-Kick: das Pferd gibt unter einem nochmal Tempo, und man landet in einer Menschentraube – gleitet vom Pferd, sieht nur noch durch Tränen… Alles wird aufgefangen, von Trossern, Tierärzten und lieben Menschen, die einen umarmen, beglückwünschen, Likör einflössen…. Es ist kaum zu ertragen, von dem Pferd getrennt zu werden, mit dem man die letzten 22 Stunden verbunden war… Aber: es ist geschafft! 160 Kilometer!

Die Nachuntersuchung am Tag darauf ist ein Gemeinschaftsevent! Stuhlreihen an der Vortrabstrecke, die Reihenfolge nach Startnummern. Hier wäre die Regelung „nach Zieleinlauf“ etwas optimaler, da die 81er die höheren Starterzahlen hatten. Das Procedere hat aber dennoch Ritual-Charakter: die untersuchenden Tierärzte werden zugeteilt, immer drei Teilnehmer auf einmal. Beim Vortraben zählt der Dreier-Entscheid! Alle kommen diesmal durch. In diesem Jahr fiel es gut aus, keine Ausfälle. Alle Reiter waren im Vorfeld vernünftig genug, früh genug zu merken, wenn es Probleme gab.
Die Siegerehrung wartet! Tanja Wedemeyer, Sigrun Zühlke, Gerda Hörnicke und Silke Hünecke haben wieder mal eine tolle Veranstaltung auf die Beine gestellt! Bitte weiter machen!

Mirja Rößner