Death Valley in Britz
 Fotos: M. Lewin
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Distanzritt in extreme
Die Goldgräber, die zu Mark Twains Zeiten Nevada und Kalifornien im Sattel ihrer Mustangs durchquerten, konnten es nicht schwerer gehabt haben, als die Reiter, die sich am 3. Juli in Britz an den Start begaben, um wahlweise 92, 56 oder 32 Kilometer unter die Hufe zu nehmen. Was da vom Himmel hämmerte, war ungebremste Glut. Es half ein wenig, dass die Veranstalter die Starts um eine Stunde vorverlegten.
So begaben sich die Teilnehmer am LDR bereits um fünf Uhr auf die Reise. Um 13:48 Uhr, knapp sieben Stunden reine Reitzeit und drei Pausenunterbrechungen später, waren die Ersten, die ein Durchschnittstempo von 13,2 km/h vorgelegt hatten, im Ziel. Und wieder gab es dieselbe Konstellation wie vier Wochen zuvor bei der Landesmeisterschaft in Bötzow: Jenny Stemmler mit Morgan und Roland Kälberlach mit Parit lagen auf den vordersten Plätzen. Hand in Hand teilten sie sich diesmal allerdings Rang eins. Das ist besonders erfreulich für den Landesmeister vom Vorjahr, der sonst in der letzten Saison mit seinem 15jährigen Kabardiner Parit oft vom Pech verfolgt gewesen war. Ein neuer Sattel, so Roland Kälberlach, sei die Wunderwaffe. Auch der Vollblutaraber der amtierenden Landesmeisterin Jenny Stemmler, Morgan, läuft mit seinen 15 Jahren konstant auf langen Strecken nach vorn. Beide Pferde beweisen, dass schonender Aufbau, sinnvolles Training und überlegter Einsatz eine gute Chance für eine lange, erfolgreiche Karriere sind.
Rang drei in dieser Prüfung teilten sich Solveig Schnieder mit Minza und Cornelia Weidlich mit Zenobia in 07:33 (12,2 km/h).
Über 56 Kilometer sah man die einstige Landesmeisterin und Landes-Vizemeisterin Sybill Matzdorf mit ihrem Partbred Araber Kiasso vorn. Der alte Herr (17), amtierender Landes-Jugendmeister unter Kim Poprawa, zeigte Routine und ließ nichts anbrennen. Schön, dass seine Besitzerin nun auch selbst einmal wieder in den Sattel stieg, wobei es hoch anzurechnen ist, dass der Routinier in der Jugendförderung zur Verfügung steht. Mit 13,9 km/h war das Paar in 04:02 h reiner Reitzeit unterwegs. Natürlich werden ländliche KDR auch mit 18 km/h gewonnen, aber mit Sicherheit nicht bei den anspruchsvollen Bodenverhältnissen von Britz (die in ihrer Vielfalt, im Wechsel von tiefem Sand, Schotter, betonhartem Lehm und wurzelreichen Waldböden gern unterschätzt werden) ¬– und bei Temperaturen wie in Las Vegas.
Zweite wurde drei Minuten hinter der Siegerin Jana Weingart mit der Vollblutaraber-Stute Lisea vor Masoudah (AV) unter Karolin Wieczorek.
Im Einführungsritt sah man einige bekannte Gesichter mit jungen Pferden oder Pferde, die nach Zwangspausen wieder aufgebaut wurden, auf den vorderen Plätzen, obwohl hier sicherlich die Rangierung weniger wichtig ist als das erfolgreiche Absolvieren des Rittes. Mit guten Pulswerten liefen Iris Ates‘ Ghamino und Stefanie Paulkes Araber Adoran auf Rang eins und zwei. Mit Stella Herlts Ali Baba und Mara Schimas Beach Boy in guten Pulswert-Bereichen kündigten sich zwei Rekonvaleszenten wieder an. Andrea Herlt und Christiane Kirsten, beide im Berlin-Brandenburger Distanzlager keine Unbekannten, stellten erfolgreich ihre Nachwuchspferde Zenith (AV) und Super Man vor. Der Gerechtigkeit halber sei auch Juliane Grundmann mit dem 15jährigen Hessenwallach Lancelot in der Spitzengruppe erwähnt. Auffallend schon bei diesem Einführungsritt unter extremen klimatischen Bedingungen, dass ausnahmslos professionell trainierte Pferde die Schleifen holten.
Die Markierung (Kalkpunkte auf Bäumen), das räumte Veranstalterin Oda Petri ein, stach nicht immer ins Auge, aber die Forst verwehrte andere Möglichkeiten. Laut Reglement gilt letzten Endes die Karte, und die sollte man im Zweifelsfall lesen können.
Die Veranstaltung in Britz bestach – wie immer – durch ihr Ambiente, die Landschaft am Kanal, die freundlichen Veranstalter, das gute, preiswerte Catering. Da bleiben kaum Wünsche offen. Vorausgesetzt, man weiß, dass dies kein Barfuß-Ritt ist, dass man hin und wieder in der Lage sein sollte, die Karte zu Rate zu ziehen, und dass man gehörig Fliegenspray und Sonnengel einpacken muss.
Miriam Lewin