Keine Angst vorm „Schwarzen Mann“
Am 5. Juni 2010 hatte der Reutherhof in der Eifel zum Distanzritt und zur Distanzfahrt „Am Schwarzen Mann“ über Strecken von 42, 61 und 82 km eingeladen. Ich bin mit meinem Pferd Joschik die lange Strecke gegangen und wurde danach gebeten, einen möglichst objektiven Bericht über die Veranstaltung zu schreiben, am besten ohne zu erwähnen wie toll doch mein Pferd gelaufen ist. Ich versuch’s dann mal – aber mein Pferd ist wirklich toll gelaufen…
Im Zentrum von Reuth angebrachte Schilder lotsten die Gespanne auf die riesige Paddockwiese, wo reichlich Platz für jeden war, zumal das Starterfeld leider ziemlich klein ausgefallen war. Bei strahlendem Sonnenschein und sonnigen Temperaturen bekamen alle Pferde die Startfreigabe für den folgenden Tag. Ein großes Angebot an leckerem Essen zu sehr sozialen Preisen versüßte den Abend und ich musste mich ein bisschen zusammen reißen, um meinem Pferd nicht noch ein paar zusätzliche Kilos zuzumuten.
Am Samstag um 7 Uhr morgens gingen wir mit nur zwei weiteren Reiterinnen an den Start der 82 km. Noch war es angenehm kühl, aber das sollte sich sehr bald ändern. Die erste Runde ging über 40km mit einem Vet-Check ohne Pause bei km 22. Die gesamte Strecke ging fast ausnahmslos durch den Wald, auf für die Eifel typischen breiten, harten Wegen mit mal mehr, mal weniger Steinen. Mit dem richtigen Hufschutz durchaus flott zu reiten. Zudem war die Strecke hervorragend markiert, so dass sogar ein notorischer Kartenverächter und chronischer Verreiter wie ich kein einziges Mal falsch abgebogen bin und dabei auch noch die Landschaft genießen konnte.
Die Pausen wurden wegen der inzwischen auf fast 30 Grad angestiegenen Hitze von ursprünglich 40 Minuten auf eine Stunde verlängert, was ganz sicher eine gute Entscheidung und im Sinne des Tierschutzes war. Der Weg zwischen Ankunft/Pulsmessen und Vet-Check auf dem Reitplatz war auch ziemlich lang und kostete wertvolle Pausenzeit, ein Grund mehr sich über die verlängerte Pausenzeit zu freuen. Mein größtes Problem war, dass meinem Pferd das Wasser am Hof nicht zu schmecken schien, was bei der Hitze und ohne Tross im Desaster zu enden drohte.
Weiter ging’s auf die blaue 21 km Runde, die zweimal zu bewältigen war. Auf dem Punkt, wo morgens der Vet-Check im Gelände war, hatten die Veranstalter Wasserkanister da gelassen – unsere Rettung. Das Wasser schien wohl besser zu schmecken und vollgetankt und frohen Mutes setzten wir den Ritt fort. Auf unserer letzten Runde waren allerdings alle Kanister leer, was ein sehr harter Schlag für uns trosslos Reiter war. Aber wieder hatten wir Glück: ein paar hundert Meter weiter floss ein kleiner Bach, der mit etwas Off-Road Qualitäten zu erreichen war. So konnten wir den Ritt erfolgreich zu Ende reiten.
Trotz der Hitze und dem harten Gelände gab es unter allen Teilnehmern nur zwei Ausfälle zu beklagen, einmal wegen eines abgetretenen Eisens und einmal wegen Lahmheit. Die Ratschläge der Tierärzte wurden befolgt und es wurde rücksichtsvoll geritten.
Alle drei LDR-Reiterinnen hatten den Ritt in der Wertung beendet und traten Sonntags zum „Best Condition“ und zu der nett gestalteten Siegerehrung mit Pferd an. Die drei Pferde sahen fit aus und machten den Tierärzten die Entscheidung für den B.C. nicht leicht. Dass der Preis an Joschik ging, macht es mir jetzt umso schwerer, objektiv zu bleiben… die Freude ist einfach zu groß. Der perfekte Abschluss von einem perfekten Wochenende auf einem fast perfekten Distanzritt. Ich wünsche den Veranstaltern, dass sie nächstes Mal die Paddockwiese voll bekommen.
Noëlle Schon
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
„Niemand!“ – „Und wenn er kommt?“ – „Dann laufen wir!“
Was hat dieses uralte Kinderfangspiel mit einem Distanzritt in der Eifel zu tun? Mit der Kinderschreckfigur des „Schwarzen Mannes“ wohl recht wenig – eher etwas mit dem Laufen, denn das machen die teilnehmenden Pferde des Distanzrittes „Am Schwarzen Mann“ Kilometer für Kilometer….
Der Schwarze Mann und der Distanzritt
Der „Schwarze Mann“ in der Eifel ist mit 697,3 Meter der höchste Berg der Schneifel (= Gebirgszug) in Rheinland-Pfalz und der dritthöchste in der gesamten Eifel. Seinen Namen hat er durch die schwarzen Gesichter der Bergleute erhalten. Nach diesem Berg ist der Distanzritt des Reuther Hofes benannt, der einmal jährlich interessierte Distanzreiter einlädt – so auch am Wochenende des 04./05.06.2010, einem hochsommerlichem Wochenende mit bis zu 30 Grad.
Der Veranstaltungsort
Der Reuther Hof liegt zwischen Prüm und Stadtkyll im Landkreis Vulkaneifel. Hier stand den DistanzreiterInnen und – fahrerInnen eine saftige grüne Wiese zum Aufbau von Paddocks zur Verfügung. Aufgestellte Wasserbehälter schafften kurze Versorgungswege.
Über den gesamten Zeitraum wurde gut für das leibliche Wohl der Anwesenden gesorgt.
Ausreichend vorhandene Sanitäranlagen und Waschmöglichkeiten rundeten das Angebot ab.
Die Strecke
Ausgeschrieben waren drei Streckenlängen: 42, 61 und 82 Kilometer – alle Strecken konnten auch gefahren werden.
Die Streckenlängen wurden auf zwei unterschiedliche Runden absolviert – es gab eine 21-km-Runde, die durch blaue Richtungspfeile markiert war, sowie eine 40-km-Runde, rot markiert. Bis zum Waldeingang, den die TeilnehmerInnen durch ein Gatter betraten, zeigten Kalkpunkte den Weg. Bei der Vorbesprechung wurden die Runden ausführlich erklärt und anhand von Bebilderung veranschaulicht. Jeder Teilnehmer erhielt zudem eine farbige Karte.
Der Größtteil der Strecke führte die ReiterInnen durch abwechslungsreiches Waldgebiet. Das Geläuf zeigte sich eifeltypisch hart, so dass Hufschutz erforderlich war. Die Höhenunterschiede waren nicht extrem, so dass auch flachlandgewöhnte ReiterInnen und Pferde gut über die Strecke kamen.
Trossmöglichkeiten gab es unterwegs kaum. Dafür stellte der Veranstalter unterwegs Wasser zum Tränken zur Verfügung – schade, dass einige der TeilnehmerInnen die Tränkebottiche zum Abwaschen ihrer Pferde benutzten und so den nachkommenden Pferden die Möglichkeit bzw. das Verlangen zu trinken nahmen.
Auf der Strecke selbst war lediglich für die 61 und 82 km ReiterInnen ein Vet-Check vorgesehen. Die Pause fand für alle direkt auf dem Hof statt und wurde aufgrund der Hitze auf 60 Minuten verlängert. Eine gute Entscheidung der Tierärzte vor Ort für alle Beteiligten.
Veranstaltungsablauf
Die Veranstaltung belief sich über drei Tage, wobei samstags geritten wurde.
Zu der anberaumten Vorbesprechung am Freitag gab es an der Meldestelle eine schriftliche Vorbesprechung. Hier erfuhren die ReiterInnen und FahrerInnen alles Wesentliches.
Am Ritttag wurden die StarterInnen bereits ab 5 Uhr früh mit einem umfangreichem Frühstück beköstigt. Um 7.30 Uhr gingen die ersten auf die Strecke.
Nachdem auch der letzte Reiter zurück war, fand die Siegerehrung überpünktlich statt.
Fazit:
Eine gut organisierte, nicht überlaufene Veranstaltung – Lob an die Veranstalter, die fürsorglichen und gründlichen Tierärzte und an alle ReiterInnen/FahrerInnen, die ihre Pferde in den hohen Temperaturen umsichtig über die Strecke ritten.
Es war schön!
Britta Nehrenheim
& Kemal Efendi